Hans Leu

Katholisch unten an der Basis

Ein Versuch kirchliche Wirklichkeit zu beschreiben, subjektive wahrgenommen,
empfunden als objektiv, existentiell situationsbefangen.

2. Fasten-Sonntag 2017; die pfarreiliche Planung verweist mich auf Kalkfeld / Namibia. Die 70 km
Autofahrt um 08h nach Kalkfeld (nicht einmal mehr ein Village sondern nur noch ein «settlement) war wunderbar: sattes gruen belebt mit gelb, weiss, rosa, dunkelgrau…   fast wie einst die Alpenwiesen
im Urnerland mit ihrer Blumenpracht.
Kurz vor 09h trug die zehnjaehrige Ailly die Mess-Utensilien in die Sakristei, Moni hilft dem Sakristan,
Linda und ich beginnen das Warten…
Kalkfeld ist ein Extrem. Etwa 4000 Leute leben in zerbrechlichen Schacks; ca. 70% arbeitslos, jung
und alt, Ziegen bilden die Mehrheit der Bevoelkerung; eine Primarschule bis grade 4, eine Tankstelle
und eine evangelische Kirche…  Wovon die Menschen hier leben ist vielen ein Raetsel. Der Kath. OMI-
Orden hat einst (mir unerklaerlich) hier ein Centrum mit 3 leeren Raeumen gebaut und tatsaechlich
2 Kirchen nebeneinander…  und wo sind die Gottesdienstbesucher? Sie troepfeln ein…um 09h30 sinds
15 «Tropfen»; also 50% der gewoehnlichen Sonntags-Besatzung.
Wir beginnen…  in welcher Sprache heute?  Angesichts der «Bevoelkerung» entscheide ich mich fuer
Afrikaans. Das «Kyrie» kommt in Oshiwambo, wohl weil es so melodramatisch klingt. Nichts gelingt
hier besser und richtiger als der Hilferuf nach Erbarmen. Die Leute fuehlen sich arm, lebensmuede,
vernachlaessigt, suendig, abgekaempft, lebensenttaeuscht…  von aussen beurteilen wir Kalkfeld als
«schwer unterentwickelt». Von der offiziell komplizierten kath. «Oratio» geht kein Wort in den
Verstaendnishorizont ein…  ich muss kurze Saetze machen. Und dann die Lesungen nach vatikanischer Anordnung: a) Gen 12.1 / im Dorf-Horizont hinter jedem Berg   b) 2.Tim / gesprochen wie zum Nicht-Verstehen. Nur das Zwischenlied wirkt ein wenig aktivierend (den resp. Psalm streiche ich regelmaessig).
c) Wie nun bring ich Mt 17 vor, so dass die Tabor-Verklaerung ein wenig als Froh-Botschaft ertoent?
Es geht nicht ohne kraeftigen Einschnitt in den Text. Die Homily ist die Chance zum geistigen Kontakt,
zum Aufhellen und zum ins Denken geraten; zum Ermuntern und zur Ich-Staerkung im Wir.
Klare Struktur, herausfordernde Frage, Antwort-Versuch, Neugier-Test und ein verstaendliches
Schmunzeln ueber unsere Unbeholfenheit…
Na ja: Leben ist ueberall Aufbruch; Gott ist Gnaden-Zusage; Jesus gilt als leuchtendes Vorbild und
das Leben ist hart unten am ausgetrockneten Boden.
cf. die Meditation im Blog Vic – 08 (vic-hs-leu.blogspot.com)     Fortsetzung folgt …

Restholz
13. März 2017 | 16:32
von Hans Leu
Lesezeit : ca. 1  Min.
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