Konzilsblogteam

Karl Lehmann: Begegnung mit Pater Sebastian Tromp am Vorabend des Konzils

Im September 1962, unmittelbar vor Konzilsbeginn, war Lehmann bereits ein kleines «Privatissimum» zuteil geworden: Als er nach den Ferien des Nachts mit dem Zug von Freiburg nach Rom zurückfuhr, identifizierte er im Morgengrauen einen Mitreisenden, der ihm schon die ganze Nacht gegenüber gesessen hatte. Es war der berühmte Pater Tromp. Zaghaft kam der Student mit ihm ins Gespräch, natürlich über das bevorstehende Konzil. Einige Sätze des Paters weiss er bis heute auswendig: «Wir haben alles vorbereitet. Es fehlt ja auch fast nichts mehr an der vollendeten Synthese des katholischen Glaubens; nur der Monogenismus [also die Abstammung des Menschengeschlechts aus einem einzigen Paar] muss noch definiert werden. Die Herren [gemeint waren die Bischöfe] werden in Rom nicht so lange zu tun haben. Sie werden bald sehen, dass man die Vorlagen nicht besser machen kann, werden rasch unterschreiben und wieder nach Hause fahren. Die Kirche hat ja auch nichts anderes als einen Sack voll von Wahrheiten. Den wird sie von Zeit zu Zeit etwas schütteln, Dann wird manches wieder mehr nach oben kommen. Aber es ändert sich nichts. Dies wird sich auch beim Konzil erweisen.»
(Barbara Nichtweiss, Karl Lehmann: Bausteine zu einer Biografie, in: Karl Kardinal Lehmann 2001. Dokumentationen, Erinnerungen und Informationen zur Kardinalserhebung des Bischofs von Mainz, Mainz 2001, 119-171, hier 138; Regina Heyder)

23. April 2013 | 00:02
von Konzilsblogteam
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