George Francis Xavier

Kann man zwei Leben führen?

Ich bin kein Fan der USA, aber ich war interessiert an der Präsidentschaftsdebatte. So laufen im Moment zwei Debatten an der Denver Universität und am Center College, eine von Präsidentschafts-Kandidaten und eine von Vizepräsidentschafts-Kandidaten schon vorbei. Politologen und viele Umfragen zeigten uns, dass die republikanischen Kandidaten die Oberhand über die Demokraten gewannen.
Es ist nicht mein Thema hier, denn in dieser Arbeit wollte ich über religiöse Ansichten schreiben. Im Grunde haben wir an der Uni genug über politische Debatten diskutiert. Aber die letzte Frage, die Moderatorin Martha Raddatz gegen Ende der Debatte einbrachte, war sehr wichtig für Katholiken. Zum ersten Mal in einer solchen Debatte waren die beiden Kandidaten Katholiken. Sie hat nach ihrer Meinung über Abtreibung (ein emotionales und heisses Thema) gefragt.
Beide sind gegen Abtreibung es sei denn, die Schwangerschaft kam durch Gewalt oder Inzest zustande, oder die Mutter ist in Lebensgefahr. Beide halten an ihren katholischen Positionen fest. Der Unterschied ihrer Meinungen ist erwähnenswert.
Ryan sagte, dass seine Position auf seinem Glauben, Wissenschaft, Vernunft und seinen persönlichen Erfahrungen basiere. Er erzählte, dass er sein sieben Wochen altes Baby beim Ultraschall sah, und erzählte sie habe die Form einer Bohne gehabt. Er konnte auch ihren Herzschlag hören. Und bis zum heutigen Tag ruft er sein erstes Kind Liza mit dem Spitznamen ‘Bohne’. Ryan glaubt, dass das Leben mit der Empfängnis beginnt.
Jo Biden sagte, dass er ein praktizierender Katholik ist, aber er könne seine Religion und seine Überzeugungen Menschen anderer Religionen nicht aufzwingen. An diesem Punkt bin ich anderer Meinung.
Paul Ryan hingegen hat ganz richtig reagiert, indem er antwortete: «I don’t see how a person can separate their public life from their private life or from their faith…..»
Ich glaube auch, dass das Leben ein Ganzes ist, und ich nicht zwei Ansichten in meinem Leben haben kann, eine für mich und eine für andere oder für die Öffentlichkeit. Was ich befolge und glaube in meinem Leben kommt von meinen Überzeugungen und meinem Wissen. Ich kann nicht zwei ganz gegenteilige Meinungen in meinem Leben gleichzeitig haben. Zwei Ständen im Leben zu folgen stellt die Integrität der Person infrage und Jesus bezeichnete das als Heuchelei. Ich kann nicht die auf die Wahrheit und auf meine Überzeugungen verzichten oder sie opfern, um Mitglied in einer politischen Partei oder einer Institution oder einer Religion zu sein. Kompromisse der Überzeugungen sind selbstmörderisch.

14. Oktober 2012 | 00:00
von George Francis Xavier
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