Jesus und die bösen Geister
Gibt es Dämonen?(Da ich heute Vormittag besetzt bin, musste ich meine Sonntagspredigt schon gestern vorbereiten.)
Jesus sendet im heutigen Evangelium seine Apostel aus. Ist Ihnen aufgefallen, welchen Auftrag er ihnen mit auf den Weg gibt? Und wie die Zwölf ihren Sendungsauftrag in die Tat umsehen? Sie belehren die Menschen nicht bloss, indem sie ihnen den Glauben verkünden, sie zur Umkehr rufen. Sie heilen auch die Menschen, trösten und stärken die Kranken, indem sie sie mit Öl salben.Und sogar zwei Mal ist die Rede von der Austreibung der Dämonen, der bösen Geister. Wir alle wissen: Die heutigen Menschen haben Mühe mit einer solchen Vorstellung, sofern sie nicht mehr in einer mittelalterlichen Welt beheimatet sind. (Zwischenbemerkung für den Blog: Eine rechtskonservative Zeitschrift bringt in diesen Tagen die Zustände im Vatikan mit dem Satan in Verbindung ….) Sie, wir fragen uns: Gibt es überhaupt Dämonen? Ich versuche, die Frage differenziert zu beantworten, ohne Sie mit allzu vielen Einzelheiten zu belasten.Zuerst einmal: Im Verlaufe der Kulturgeschichte nimmt der Glaube an Dämonen nach und nach ab. Vor Jahrtausenden wimmelte es nur so von bösen Geistern, in der Kultur der «»¢ Perser»«¢ der alten Inder, Chinesen, Griechen usw. In unserer, der abendländischen Kultur erreichte der Dämonen-Glaube in den Zeiten der Hexenverfolgungen einen letzten Höhepunkt. Frauen, die anders waren, vielleicht auch tüchtiger als die Männer, gerieten in Verdacht, mit dem Teufel im Bund zu stehen. Heute aber wissen wir, dass dies Wahnvorstellungen waren, allerdings mit tödlichen Folgen für Zehntausende von Unschuldigen.Dämonenglauben ist bis heute in Afrika weit verbreitet, auch der Glaube an Hexen, z.B. in Tansania. Im nächsten ite können Sie von einem aktuellen Beispiel lesen, wie die Schweizer Kapuziner erfolgreich dagegen angingen:Die Leute glaubten, dass ein Platz am Rande der Stadt Morogoro von Dämonen bewohnt sei. Die Kapuziner haben trotzdem an diesem Ort ein Kloster errichtet. Und siehe da: Das Kloster blüht und nichts ist von dämonischen Einflüssen spürbar. Die Leute atmen auf, weil sie von der Furcht vor den bösen Kräften befreit wurden.
Zurück zum heutigen Evangelium: In der damaligen Zeit hatte man noch äusserst geringe medizinische Kenntnisse. Ebenso wenig kannte man die psychischen Ursachen von Krankheiten. So schrieb man die meisten Erkrankungen dem Wirken böser Geister zu. Vielleicht erinnern Sie sich noch, wie Paulus vor einer Woche in der Lesung von seiner Krankheit als von einem Satansboten sprach. Heute vermutet man, dass er an Epilepsie litt. Und niemandem würde einfallen, mit einem Epileptiker einen Exorzismus durchzuführen.Nun, wenn die Evangelisten die Heilungen mit Dämonen-Austreibungen in Beziehung bringen, reden sie in der Sprache ihrer Zeit. Dies tut keinen Abbruch an den Wundern, die sie in der Vollmacht Jesu taten. Ich habe Ihnen versprochen, die Frage, ob es Dämonen gibt, differenziert zu beantworten. So stelle ich fest: Niemand kann beweisen, dass es sie nicht gibt. Gerade die Esoterik macht uns auf das Wirken böser Kräfte aufmerksam.Aber ebenso gilt: Wir leben im 21. Jahrhundert. Als aufgeklärte Menschen haben wir ein anderes Verhältnis zu Dämonen als die Perser und Griechen vor 3000 Jahren. Wir leben auch nicht mehr im Mittelalter. Wenn wir mittelalterliche Vorstellungen von der Welt haben, machen wir uns lächerlich.(Am Schluss der Predigt nehme ich Gedanken auf, die ich bereits am 4. Februar geäussert habe. Im Archiv dieses Blogs zu finden mit dem Stichwort «Dämonen»)Betagtenzentrum Wesemlin, SA 16.30 UhrKlosterkirche Wesemlin SO 7.30 und 10.00 Uhr)
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


