Walter Ludin

Jesus hat keine Kirche gestiftet

Reformpostulate werden totgeschwiegen – nicht hier im Blog …
Während eines ganzen Arbeitsjahrs (2008-2009) haben die Mitglieder der Flämischen Dominikanerfamilie über das Thema «Kirche und Amt» gesprochen. Nach einer Reihe von Zusammenkünften verfassten sie einen abschließenden Text und wollten ihn über einige kirchliche Medien verbreiten, aber kein einziges Medium ging auf das Angebot ein. Jetzt wurde der Schlusstext auf digitalem Weg veröffentlicht …… Ein kleiner Auszug:
Jesus von Nazareth hat keine Kirche gestiftet. Er hat aber Menschen (Jünger und Apostel) gerufen, damit sie bei und mit ihm die Frohe Botschaft verkündigen. Er steht am Beginn einer Bewegung.Von ihrem Auferstehungsglauben getrieben haben die Frauen und Männer, die ihm nachgefolgt waren, diese Bewegung nach seinem Kreuzestod weiter ausgebaut. Die ersten Christen riefen Menschen dazu auf, an Jesus zu glauben und sich zu seiner Lebenshaltung zu bekehren. Von Anfang an bildeten die Christgläubigen Gemeinschaften; immer intensiver wuchsen diese zusammen durch ihre Zusammenkünfte in Hauskirchen, in denen Eucharistie gefeiert wurde. Sie sorgten füreinander und für Notleidende unter ihnen und außerhalb ihrer Gemeinschaft. Erst viel später haben sich Christengemeinschaften in einer strukturierten Vereinigung mit Episkopen (Bischöfen), Presbytern (Ältesten) und Diakonen organisiert. Eine echte Hierarchie mit einer Kirchenordnung kam erst im dritten Jahrhundert zustande.
Heute ist die überlieferte Kirchenordnung dringend zu revidieren: im Licht des Evangeliums, im Blick auf die heutige Kultur und gestützt von vernünftigen Argumenten. So darf es in der Kirche z.B. keine Diskriminierung von Frauen, auch keine Diktatur des Absolutismus oder des Relativismus mehr geben. Über Dogmen oder bestimmte offizielle Auffassungen, etwa zu Verhütungsmitteln, zur Haltung gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten und Homos oder über den Priesterzölibat muss neu nachgedacht werden. Strukturen wie Pfarreien und Vereinigungen müssen im Dienst der großen Gemeinschaft stehen.
Wird im neuen Jahr wenigstens ein kleiner Schritt vorwärts getan? Oder werden gebetsmühlenhaft die alten Behauptungen wiederholt – die einer geschichtlichen Überprüfung keineswegs standhalten? vgl. dazu auch den Beitrag von gestern!

24. Dezember 2009 | 01:18
von Walter Ludin
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