Jenufa
«Jenufa» (Libretto von Gabriela Preiss aufgrund eines 1890 uraufgeführten Dramas «Její Pastorkyna», «Ihre Ziehtochter») wird als «Oper aus dem mährischen Bauernleben» bezeichnet. Es geht um das matriarchale Zusammenleben von drei Frauen aus drei Generationen im selben Haus (die Parallelen zu García Lorcas «Bernada Albas Haus» von 1936 sind mehr als deutlich), um eine un/voreheliche Schwangerschaft und Geburt, die nicht sein darf, um feige Männer, um einen Kindsmord aus Verzweiflung, um dessen Aufdeckung im fälschesten Moment und endet mit einem recht billigen Happy-End. All dies ist nur denkbar und möglich unter folgenden historisch-kulturellen Voraussetzungen: enge ländlich-religiöse Moral, noch unaufgeklärte gesellschaftliche Bedingungen, Zeit darum mindestens vor 1960.
Man(n) kann nun überlegen, ob man das heute aufführen und inszenieren will oder nicht, zumal Janaceks Tonalität nicht so gefällig und jedermanns Sache ist. Wenn man(n), in dem Fall Herr Homoki, sich aber dafür entscheidet, dann kann man aber nicht den Regisseur solch historisch-kulturellen Stuss produzieren lassen, wie es Herr Tscherniakov tat! [PS: Barbara Frey hat es 2009 in München deutlich besser «versucht»!] In der Cüpli-Juppy-Gesellschaft der Neuzeit, die da in Zürich gezeigt wird, ist ein Matriarchat solcher Art längst passé und interessiert eine uneheliche Schwangerschaft niemanden, da wird kein Kind deswegen umgebracht. Natürlich ärgert Herrn Tscherniakov auch der erste Akt mit seiner musikalischen Folklore. Warum inszeniert er denn? Und da es ihm dann auch peinlich war, das Kind von seiner Quasi-Grossmutter ermorden zu lassen, lässt er es einfach aus dem Fenster fallen. Peinlich!!! Blöd auch, dass es in der Neuzeit keine tief zugefrorenen Kanäle gibt, in die das Kind hineinplumpsen kann.
Also: Die SFr. 270 könnt Ihr locker sparen. Postet besser die DVD mit der Aufführung aus Glyndebourne im Jahr 1989. Kostet deutlich weniger.Boykottieren wir doch in Zukunft derartigen Unsinn.
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