Ja zur Abschaffung der Wehrpflicht
Abschied von der Wehrpflicht
Für uns vom Jahrgang 1945 war es ganz klar: Man(n) geht ins Militär. So gingen wir frohgemut zur Aushebung. Für mich hiess es dort: «aus medizinischen Gründen zurückgestellt». Trotzdem befahl mir der zuständige Unteroffizier, mich beim Obersten zu melden. Ich entgegnete: «Da wird man in eine Truppengattung eingeteilt. Das wird bei mir frühestens in einem Jahr der Fall sein.» «Sie gehen zum Oberst!!», schrie der Unteroffizier.
So fragte ich mich zum ersten Mal, wie es im Militär mit dem logischen Denken stehe. Ein Jahr später wuchsen meine Zweifel: Schon am Beginn der zweiten Aushebung deklarierte mich der Arzt als dienstuntauglich. Trotzdem musste ich die militärischen Prüfungen machen, die bekanntlich als Grundlage für die Zuteilung zu einer Truppengattung dienen. Auf meinen Einwand wurde ich schreiend als «Philosoph» betitelt.
Ich stellte mir mit Schrecken vor, wie ich mich gefühlt hätte, wenn ich Militärdienst geleistet hätte. Wäre es mir gelungen, nicht zu viel zu denken? Doch ich hatte gute Kollegen, denen der Drill offenbar keine Mühe machte. Sollten doch sie ins Militär …
Seit Ende des Kalten Krieges – so heisst es – sei es im Militär ganz anders, viel vernünftiger geworden. Doch vor 14 Tagen las ich im «Magazin» (TA, BZ, BaZ), dass in gewissen Truppengattungen nach wie vor die Losung lautet: «Hirn abschalten!» Unter den Dutzenden von Leserreaktionen gab es auch einige, die mit einem solchem Betrieb keine Mühe haben. Sollen doch sie ins Militär …
Die Konsequenz: Abschaffung der Wehrpflicht? Geht doch nicht, da Soldaten unverzichtbare Dienste im Katastrophenschutz leisen! Nun ja, diese betreffen genau 0,06 Prozent der Diensttage (2011).
Und überdies: «Ohne Wehrpflicht keine Armee.» Ich muss gestehen, dass ich es als vermeintlich wachsamer Zeitgenosse verschlafen habe, dass wir mit der Wehrpflicht in Westeuropa ein Sonderfall sind. Weil wir besonders schrecklich bedroht sind?
«Man weiss ja, aus welch armeefeindlicher Ecke die Idee zur Abschaffung der Wehrpflicht kommt», hallt es laut doch das Schweizer Land. Aber was ist denn mit den Bündner Jungfreisinnigen, welche das heutige Armeemodell als «unwirtschaftlich» und «unfreiheitlich» ablehnen und deshalb für die Abschaffung der Wehrpflicht sind? Oder mit dem obersten Militärverantwortlichen von Basel-Stadt, dem FDP(!)-Regierungsrat Baschi Dürr, der ebenfalls für ein Ja zur Abschaffung der Wehrpflicht plädiert?
Es bleibt die Befürchtung, eine Milizarmee würde zum Tummelplatz für Rambos. Der Vorwurf ist eine Beleidigung der Soldaten der meisten westeuropäischen Länder, welche die Wehrpflicht abgeschafft haben.
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