Ist unsere Entwicklungshilfe zu hoch?
Schon Anfang der 1970er Jahre, als ich begann, mich mit Entwicklungshilfe zu beschäftigen, wurde immer und immer wieder das Postulat wiederholt: «Die Entwicklungshilfe sollte wenigstens 0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts/BSP umfassen.» Kürzlich kam es zu einem eidgenössischen Kompromiss: Die Entwicklungszusammenarbeit, wie die Sache heute heisst, soll ab 2015 auf 0,5 Prozent erhöht werden. Angesichts der lange Vorgeschichte nicht gerade revolutionär. Aber immerhin!
Und doch: Für manche ist auch dies zu viel. Peter Niggli, von der Allicance Sud der Hilfswerke gibt in der Zeitschrift weltweit zu bedenken: Diese 0,5 Prozent bedeuten, dass von jeden 100 Franken, welche unsere Volkswirtschaft erarbeitet, 50 Rappen in die Entwicklungszusammenarbeit gehen.» Nicht gerade berauschend viel …
Niggli referierte noch zwei andere, verrückte Zahlen:
«Alle Regierungen wissen, dass die Schweiz mit 8 Millionen Menschen ein höheres Bruttoinlandprodukt hat als die 850 Millionen Menschen, die in der Gruppe der ärmsten Länder leben.
Sie wissen auch, dass die Schweiz 2,5 Milliarden Hilfe gibt, aber im Wirtschaftsverkehr mit den Entwicklungsländern jährlich einen Leistungsbilanzüberschuss von 20 Milliarden aufweist.»
Mit andern Worten: Der globale Süden schickt uns fast zehn Mal so viel wie wir dorthin schicken.
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