Israel/Palästina: zwei verängstigte Völker
Amos Oz, aus dessen neuem Roman «Judas» ich hier schon öfters zitiert habe (nicht gerade zur Freude unseres Kari) erhielt kürzlich den renommierten «Internationalen Literaturpreis». Hier nochmals ein Zitat, in dem Verständnis aufgebracht wird für das Schicksal der beiden Völker:
«Vor allem die Gespräche mit seinen arabischen Freunden brachten ihn zu der Auffassung, dass es hier eigentlich genug Platz für zwei Gemeinschaften gab und dass sie lieber nebeneinander leben sollten oder miteinander, ohne staatlichen Rahmen. Als gemischte Gemeinschaften leben oder als zwei Gemeinschaften, die sich gegenseitig nicht bedrohen oder einander das Existenzrecht absprechen.
Aber vielleicht haben Sie recht. Vielleicht haben alle recht. Vielleicht war er wirklich ein naiver Mensch. Vielleicht war es wirklich besser, dass hier all das passiert ist, was ihr getan habt, dass viel tausend zum Schlachtfeld gingen und Hunderttausende vertrieben wurden. Schliesslich leben die Juden in einem grossen Flüchtlingslager, und die Araber leben ebenfalls in einem grossen Flüchtlingslager. Die Araber erleben Tag für Tag die Katastrophe ihrer Niederlage, und die Juden erleben Nacht für Nacht ihre Angst vor Rache. Vermutlich geht es ihnen so viel besser. Zwei Völker, zerfressen von Hass und Gift, und beide kamen aus dem Krieg, durchdrungen von Rache und Gerechtigkeit. Ganze Ströme von Rache und Gerechtigkeit. Und vor lauter Gerechtigkeit ist das ganze Land mit Friedhöfen bedeckt und mit den Ruinen Hunderter armer Dörfer, die es einmal gab und die ausradiert wurden.» (S. 204)
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