Walter Ludin

Islamisierung?

«Wir (Muslime) sind in Eurem Dorf bald in der Überzahl.» Mit dieser irrsinnigen Drohung sollte neulich der Bevölkerung Angst eingejagt werden. Dazu einige anekdotische Bemerkungen.

  • Nach wie vor sind Muslime in der Schweiz eine kleine Minderheit. Es handelt sich zum allergrössten Teil um Menschen, die Schutz vor Verfolgung oder Arbeit gesucht haben. Sie sind nicht hier, um uns zu «bedrohen» oder zu bekehren. Ich denke da zum Beispiel an den Zahnarzt in meiner Heimatgemeinde. Er kam aus Ägypten und ist Muslim. Als er Präsident der Kulturkommission der Gemeinde war, hat er diese keineswegs «islamisiert». Ja, die SVP ist dort immer noch eine recht starke Kraft …
  • Kürzlich kam mir die folgende Statistik unter die Augen: Es gibt in der Schweiz 400 000 Muslime – davon sind 70 als gefährliche Islamisten erfasst. Mir kommt ein Vergleich in den Sinn. In unserem Kanton Luzern leben ziemlich genau 400 000 Menschen. In der Strafanstalt Wauwilermoos sind – sagen wir mal – 70 Sträflinge untergebracht. Keinem Vernünftigen käme es in den Sinn zu sagen: «Die Luzerner sind ein Volk von Verbrechern. Schaut doch ins Wauwilermoos.» Die 400 000 Muslime aber kommen wegen 70 schwarzen Schafen unter Generalverdacht. – Ich weiss, Vergleiche hinken. Aber man überlege dennoch …….
  • Vor paar Tagen wurde in der Presse ein einfacher Bürger aus einem Zentralschweizer Städtchen vorgestellt, der 9000 (!) Unterschriften für ein Burka-Verbot gesammelt hat. Eine seiner Begründungen: In Interlaken laufen zu viele voll verschleierte Touristinnen durch das Dorf. Ob der gute Mann schon einmal dort gewesen ist? Und was tun ihm die Verschleierten an? Wahrscheinlich so wenig wie die verschleierte Frau angetan hat, die ich mit Mann und Kind in der Münchner Fussgängerzone angetroffen habe – s. Bild zu diesem Blog….
Muslima: Schreckgespenst? Oder Bürgerin unter Bürgern? © Walter Ludin
31. August 2017 | 09:41
von Walter Ludin
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