Interview mit Bischof Burcher, Island (III)
Gibt es isländische Heilige? Wenn Ja, welche?Es gibt offiziell nicht viele Heiligen, aber ganz besonders wird der Hl. Thorlak verehrt, der Bischof in Skálholt war. Der selige Papst Johannes Paul II. hat ihn sogar zum Schutzpatron Islands im Jahr 1984 ernannt. Gibt es heilige Stätten, Wallfahrtsorte?Heilige Stätten oder Wallfahrtsorte gibt es in der Geschichte der letzten Jahrhunderte, also seit der Reformation 1550, eigentlich nicht in Island.In der katholischen Zeit gab es jedoch einige vielbesuchte Wallfahrtsorte, z.B. das Kreuz in Kaldaðarnes im Süden des Landes und in Skálholt, wo die Reliquien des Hl. Thorlak bewahrt wurden. Dann gab es auch eine Marienstatue (jetzt im Nationalmuseum) in Hofsstaðir im Norden Islands, die sehr verehrt wurde.Jetzt organisiert die lutherische Staatskirche jährlich eine Pilgerfahrt zwischen Thingvellir, wo der christliche Glaube um das Jahr 1000 angenommen wurde, nach Skálholt, dem Sitz des ersten isländischen Bischofs, Ísleifur Gizurarson, 1056.Die Katholiken machen auch jedes Jahr eine Pilgerreise nach Skálholt um an den Tod des letzten katholischen Bischofs, Jón Arason, zu erinnern. Er wurde dort am 7. November 1550 hingerichtet.Dieses Jahr wurde zum ersten Mal durch Bischof Peter Bürcher ein diözesane Wallfahrt nach Mariulind auf Snæfellsnes im Westen des Landes organisiert. Kommen die Pilger? Warum übt das Pilgern und die Wallfahrt eine solche Faszination aus?Ganz besonders unsere immigrierten Katholiken schätzen es, im Lande oder auch im Ausland an Wallfahrten teilzunehmen. Bei unseren ersten Pilgerfahrt nach Mariulind diesen Sommer kamen z. B. mehr als 120 Personen, was für unsere kleine Gemeinde sehr viel bedeutet. Was möchten Sie in ihrem Bistum noch umsetzen? Wovon träumen Sie?Unsere Neuevangelisierung in Island bedeutet hauptsächlich Glaubensbildung, Katechese und Liturgie. Das ist unser heutiges Mandat. Die grossen Entfernungen und die oft schlechten Wetterverhältnisse besonders im langen Winter erschweren beträchtlich unsere Mission. Neue und moderne Initiativen finden aber ihren Weg, wie z.B. in der Katechese durch Skype wodurch es möglich ist, Kinder welche mehr als 400 Kilometer von ihrer Pfarrkirche entfernt wohnen in ihrem Glauben zu unterrichten. Mein Traum ist die Errichtung eines kontemplativen Klosters in Island. Wer weiss! Was ist ihr liebster Ort auf Island?Reykjavik wo ich jetzt wohne. Vermissen Sie etwas aus der Schweiz?Natürlich meine Familie und Freunde sowie auch die Wälder und die Schweizerzüge! Was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn ich Ihnen folgende Stichworte nenne: Was ist Island für Sie: jeden Tag eine Neuigkeit.Lebensgefühl ist: konkrete Liebe.Ihre Stärke: die Hoffnung.Ihre Schwäche: ich bin oft ungeduldig.Gott im Alltag ist : unser Frieden.Erholung ist: frische und neue Luft schöpfen können.Sie können nicht leben ohne: ein Tag ohne Messfeier ist für mich ein Tag ohne Sonne!
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