Heinz Angehrn

Inszenierungen

Mit der Eröffnungs-Premiere seiner ersten Saison will Herr Homoki klare Duftmarken setzen, das bestätigte er selber in vorausgehenden Interviews. Vor wenigen Tagen nun fand diese Premiere statt. Leos Janaceks wohl erfolgreichste Oper, «Jenufa», in einer Inszenierung von Dmitri Tcherniakov und im Dirigat des neuen Chefs am Pult, Fabio Luisi.
Hier nun zunächst ein grundsätzlicher Einschub: Inszenierungen kann man relativ einfach kategorisieren. Es gibt da die historisierenden (Samt und Seide, Provinztheater), die stark Sänger-bezogenen (Rampen-Stehen, Met und Scala), die völlig abstrakten (Wieland Wagner als Begründer), die gemässigt aktualisierenden (die der hier Schreibende bevorzugt), die verfremdenden (das Publikum Umerziehen-Wollen, Frau Berghaus als geistige Grossmutter) und die unästhetischen (die ihr Geld nicht wert sind). Zürich bot in den vergangenen Jahren von allem etwas. Auch mein Heimattheater St.Gallen eifert dem vermehrt nach.
Da gab es etwa Herrn Bechtolfs Blauwurst-Akt im «Rosenkavalier», völlig an Handlung und Musik vorbeirauschend, die beiden anderen Akte aber wunderschön; eine Las-Vegas-Variante von «Arabella» in St.Gallen, über gewisse Strecken sogar einsichtig; «Pelles et Melisande» mit dem winterlichen Autowrack, gar nicht so fest von Debussys Klang entfernt; eine einsichtige «Luisa Miller» auf der Drehbühne, nur so weit verändert, als dass man die Handlung besser verstand; Klaus Guths genial-gemässigte Umdeutungen (»Ariadne», «Tristan», «Parsifal») und dann eben die zwei Ekel-Inszenierungen des Herrn Kusej, «Salome» und «Zauberflöte», auch in Z.
Heute kann man(n) (und frau) alles, wenn man frech genug ist, und glaubt, dass das lammdoofe Publikum auch alles bezahlt. Zur aktuellen «Jenufa» nächstens.

2. Oktober 2012 | 13:45
von Heinz Angehrn
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