In Krakau gelandet. Weltjugendtag geht los
Startet man von einem deutschen Flughafen aus zu einem Weltjugendtag, begegnen dem Beobachter typische Bilder: Nicht nur die obligaten Birkenstock-Sandalen, Jack-Wolfskin-Funktionsjacken für alle Wetter sind da, sondern auch schwarz-gewandete Priester mit weissem Kollar und hellblaue Rucksäcke mit dem Aufdruck «Weltjugendtag Köln 2005». So ist es auch heute, als ich im Terminal C im Flughafen Berlin-Tegel auf den Flug nach Krakau warte. Überall vielsagende Blicke und ein Lächeln auf den Lippen. Diese Leute haben heute ein gemeinsames Ziel: Krakau, diese geschichtsträchtige Stadt im Süden Polens. Viele Berliner Katholiken sind da, was seine guten Gründe hat: Zum einen gibt es in Berlin eine bemerkenswert grosse polnische Community, die sich der katholischen Kirche noch sehr verbunden fühlt. Zum anderen pflegen viele Berliner Katholiken enge Beziehungen nach Polen. Man kennt sich vor allem von den Europäischen Taizé-Treffen, die seit den 90er-Jahren mehrfach in Polen stattgefunden haben. Ich war zweimal in Wroclaw (1989 und 1995) und einmal in Warschau (1999) an Taizé-Treffen. In Krakau war ich letztmals vor 15 Jahren, als ich eine Recherche machte für die damalige deutsche Wochenzeitung Rheinischen Merkur über den Kreisauer Kreis in Krzyżowa. Dies alles geht mir vor dem Start durch den Kopf. Doch draussen gibt ein Triebwerk der Air-Berlin-Maschine seltsame Geräusche von sich. Es dauert zwei Stunden, bis der technische Defekt behoben werden kann und es endlich ab geht auf die Piste. Im Flieger wird in der Zwischenzeit gesungen: Polnische Lieder und eine selbst getextete Weltjugendtag-Hymne wird intoniert. Auch, als es über das Riesengebirge geht, deren gelb beschienene Spitzen über das Wolkenmeer hinaus ragen. Eine himmlisch schöne Angelegenheit. Weltjugendtag sind für mich meist schon vom ersten Tag an wahre Stimmungsmacher. Es entsteht ein Flow, eine Welle, auf die man aufspringt und sie bis zum Schluss reitet. Und dann die Ankunft am Krakow Clowny, dem Hauptbahnhof, der aus einem einzigen Meer an Fahnen zu bestehen scheint. Weltjugendtag-Surfen. Überall sieht man nun Menschen mit Rücksäcken auf der Suche nach ihrem Bett für die nächsten Tage. Meins finde ich um 22 Uhr im Hostel Centrum Sabot am Rynek Kleparski in der Altstadt. 10-Bett-Schlag. Einige diskutieren in den Kneipen rund um den Rynek Glowny, dem zentralen Marktplatz mit den weltberühmten Tuchhallen, derweil bis spät in die Nacht weiter. So auch über die Freiluftmesse, die heute der Krakauer Erzbischof, Kardinal Stanislaw Dziwisz, eröffnet hat und dabei auch auf die jüngsten Terroranschläge einging. Der Weltjugendtag, er ist schon in vollem Gange.
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