Br. Paul Tobler

Im Mönchsaustausch

Zur Zeit bin ich zu Besuch bei den Mitbrüdern vom Kloster Einsiedeln. Ich mache für sechs Wochen ein Praktikum an ihrer Stiftsschule, im Rahmen meiner Gymnasiallehrer-Ausbildung. Am Gymnasium gebe und hospitiere ich also Biologieunterricht und wohne und bete im Kloster und teile ihr Gemeinschaftsleben. Es ist eine schöne Gelegenheit, dieses Kloster und die Gemeinschaft besser kennenzulernen – von früher kenne ich Einsiedeln einfach als Pilger zur Muttergottes von Einsiedeln.
Benediktinerklöster sind ziemlich unabhängig voneinander. Ein Benediktinermönch ist ortsgebunden: dies ist die bekannte «stabilitas loci», die örtliche Beständigkeit. Man entscheidet sich für ein bestimmtes Kloster und bleibt das Leben lang dort. «Stabilitas» steht in mehrfacher Bedeutung für Treue, Ausdauer und Beharrlichkeit: «Wacht und betet allezeit» (Lk 21,36). Anders ist es etwa bei Jesuiten, Dominikanern oder Franziskanern: Sie zeichnen sich gerade eher durch ihre Bereitschaft aus, Einsatzorte zu wechseln. Auch das ist eine christliche Haltung: «Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann» (Lk 9,58).
Wie jeder Neuling oder Gast musste ich mich zuerst auch in den alltäglichen Abläufen zurecht finden: Zeitplan, Örtlichkeiten, Gebetsbücher, Gebetsformeln, Verhaltensregeln, etc. Aber vieles war vertraut, ähnlich und mit «Vorwissen» schnell verständlich. Eine kurze, freundliche Einführung eines Mitbruders und später ein, zwei Nachfragen – et voilà. Es ist eben doch dieselbe Kirche, derselbe Orden, dieselbe Spiritualität. Eine schöne Erfahrung.
Jeder Ort hat lokale Eigenheiten. Das abendliche Vespergebet ist hier lateinisch – es gefällt mir. Die Gemeinschaft von Einsiedeln ist deutlich grösser als meine eigene. Und was die Aufgaben angeht, führen beide Klöster ein Gymnasium, aber Einsiedeln ist auch grösster Schweizer Wallfahrtsort, und so sind die Gottesdienstzeiten noch stärker an die Bedürfnisse der Pilger angepasst. Und täglich nach der Vesper gibt es hier eine schöne Prozession mit feierlichem «Salve Regina» bei der Gnadenkapelle. 
Bald ist mein Einsiedler Aufenthalt vorbei. Zumindest die jüngeren Brüder werde ich aber im Rahmen von gemeinsamen Ausbildungskursen oder in der jährlichen «Junioratswoche» wieder antreffen.

9. April 2014 | 08:35
von Br. Paul Tobler
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