Beatrice Mock

Im Dschungel der Relevanzen

Welche Artikel gehören in den Medienspiegel?

Welche Artikel gehören in den Medienspiegel? Diese Frage muss jeweils schnell entschieden werden, da unser täglicher Newsletter bis spätestens Mittag verschickt wird. Die Dienstleistung besteht in der Spiegelung der Medienlandschaft mit Fokus «Kirche Schweiz»: So sehen unsere User auf einen Blick, welche Kirchen-Schlagzeilen an diesem Tag wo erschienen sind. Sie gewinnen so schnell einen Überblick und können auswählen, was sie genauer interessiert.
Ab und zu passiert es, dass der Medienspiegel-Newsletter zu lang wird. Weniger wäre mehr, bei Newslettern ohnehin. Das zeigt uns eine Nutzer-Umfrage, das hört man aber auch von MedienexpertInnen. Die Redaktion versucht also, nur die wirklich relevanten Artikel zu spiegeln. Was aber ist wirklich relevant für den Medienspiegel von kath.ch? Darüber herrscht nicht immer Einigkeit.
Ich habe mich bei einem Journalisten erkundigt, wie er News beurteilt: In seiner Aufgabe gewichtet er Informations-Wert, Sensations-Gehalt und Wahrheits-Gehalt einer Neuigkeit sehr hoch. Bei kath.ch legen wir zudem Wert auf Identifikations- und Werbe-Gehalt von Informationen. Die Relevanz hängt also vom Auftrag und vom Auftraggebenden Medium ab. Was die Sache nicht einfacher macht.
Ob umgekehrt kirchliche News für die Medien relevant sind, sieht man daran, ob sie es überhaupt in die Zeitungen und ins Radio und Fernsehen schaffen. Interessant finde ich es, die Titelsetzung zu beobachten. Daran kann man erraten, warum eine Kirchenmeldung interessant für das entsprechende Medium ist. Betrachten wir doch die Rezeption der jüngsten kirchlichen Werbeoffensive für Kirchenberufe:

Zuerst war die Website ( www.chance-kirchenberufe.ch ). Ich wurde auf sie aufmerksam, weil ich bei Facebook den Link entdeckte.

«Schweizer Katholiken suchen Personal!» ( http://www.kath.ch/index.php?&na=11,11,0,0,d,106508 ) lautete die klar informative Überschrift des offiziellen Communiqués der Deutschschweizerischen Ordinarienkonferenz DOK vom 23.10.2013.

Es folgte die Schweizerische Kirchenzeitung mit der Leitartikel-Überschrift «Chance Kirchenberufe» ( http://www.kath.ch/index.php?&na=11,10,0,0,d,106563 ): Damit zeigt die SKZ, dass sie die Suche nach Kirchenpersonal zur Chefsache macht und sich damit identifiziert.

Auch Tele M1 ( http://www.kath.ch/index.php?&na=11,10,0,0,d,106578 ) erkennt gleichentags die Dringlichkeit für die Kirche: «Nachwuchssorgen in der katholischen Kirche» heisst der Beitrag dort.

Zwei Tage später: 20 Minuten entdeckt die Tram-Werbung in Zürich und macht sie zur – fragwürdigen – Sensation: «Tabubruch: Kirche macht Werbung im Tram und Kino» (http://www.kath.ch/index.php?&na=11,10,0,0,d,106614 ). Ich frage mich: Sind sie noch nie ÖV gefahren? Buswerbung für kirchliche Projekte ist – zumindest in St.Gallen – schon länger üblich. Es könnten hier mehrere Beispiele aufgezählt werden …

«Kirche schaltet Werbeplakate: Katholische Kirche leidet unter Personalknappheit und geht in die Offensive» ( http://www.kath.ch/index.php?&na=11,10,0,0,d,106761 ) heisst es im Sport-Jargon im Landboten. Haben die Bischöfe ein Heer von Headhuntern losgeschickt?

Schliesslich folgt Blick am Abend nach vier Tagen – nicht sonderlich branchenkundig, aber wahnsinnig kurz – mit: «Gesucht: Jungpfarrer» (http://www.kath.ch/index.php?&na=11,10,0,0,d,106779 ).

Daraus folgt? Relevanz ist ein sehr relativer Begriff. Sich damit auseinanderzusetzen deshalb von höchster Relevanz. Wenn Sie verstehen, was ich meine.

30. Oktober 2013 | 14:42
von Beatrice Mock
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