«Ich würd gern mit dir über Jesus reden»
Genau habe ich den Satz nicht mehr im Kopf, aber so ähnlich muss er es gesagt haben, der Mit-Jugendliche, der mich vor gut 30 Jahren in einem autonomen Jugendzentrum angesprochen hat. Weil von meinen KollegInnen niemand da war, hab ich mich auf das Gespräch eingelassen. So hat meine Geschichte mit Gott angefangen, mit der ich jetzt erstmal in Winterthur gelandet bin.
Und hier gebe ich Religionsunterricht. Da war ich als Schülerin auch drin (wie fast alle, ist in Deutschland benotetes Schulfach), bis ich mit 16 zum Missfallen des Schuldirektors meinen Atheismus erklärte und ihn (weil ich Mindest-Schülerzahl grade voll machte) zum Einrichten eines Ethik-Unterrichts zwang. Noch mehr befremdete ihn, dass ich dann für das letzte Schulhalbjahr vor dem Abitur drauf bestand, wieder den Religionsunterricht zu besuchen.
Auf meinen Glauben hatte dieser Unterricht so gut wie keinen Einfluss. Und das ist das Dilemma, in dem ich mich heute im Unterricht befinde: Ich habe selbst erst zu glauben angefangen, als ich Menschen kennengelernt hatte, die mir ihre Gemeinschaft schenkten und denen Gott offensichtlich sehr viel bedeutete. Dann habe ich selbst angefangen, zu beten – und erlebt, dass da einer ist. Seitdem bin ich «angefressen». Aber wie vermittle ich das einer Schulklasse? Ich finde immer wieder riesige Mengen an Materialien und Unterrichts-Vorschlägen, oft mit dem Versuch, Erfahrungen zu ermöglichen. Und dann ertappe ich mich selbst dabei, wie ich gern auf eine Weise über Gott rede, die gar nicht meiner eigenen Gottesbeziehung entspricht – auf einmal steht da richtiges Verhalten im Vordergrund, weil es einfach ist, darüber zu arbeiten. Dabei lebe ich doch selbst aus was ganz anderem, aus einer Erfahrung von Gottes helfendem Dabei-Sein. Nur – darüber lässt es sich kaum schreiben und noch weniger kann ich so in einer Religionsstunde reden. Ich hoffe, ich lerne da noch dazu.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.



