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«… ich wünsche nur die Osterkerze» Mit Kardinal Lercaro dem Mysterium Christi treu sein

Kardinal Giacomo Lercaro gehörte zu den grössten Verfechtern einer «Kirche der Armen». Bereits am Ende der ersten Sitzungsperiode hatte er sich zu Wort gemeldet. «Wir antworten nicht – so Lercaro in der Konzilsaula – auf die wirklichen und wesentlichen Forderungen unserer Zeit (einschliesslich unserer grossen Hoffnung, die Einheit der Christen zu fördern), vielmehr fliehen wir vor ihnen, wenn wir das Thema der Evangelisierung der Armen lediglich als ein Konzilsthema unter vielen anderen behandeln (…) Das Thema des Konzils ist die Kirche, insofern sie vor allem die Kirche der Armen ist.» Der «rote Kardinal» forderte die Berücksichtigung dieses Themas aufgrund einer grundlegenden christologischen Einsicht: «Das Geheimnis Christi in der Kirche ist immer, vor allem aber heute, das Mysterium Christi in den Armen, da die Kirche, wie (…) Johannes XXIII. sagt, wirklich Kirche aller, besonders aber die Kirche der Armen ist.»
Gelebte Armut prägte den persönlichen Lebensstil Lercaros, ohne dass er deswegen als «harter, weltentsagender Asket» galt («Der Himmel nimmt der Erde nicht ihre Werte. Gewiss, die Ewigkeit gibt der Zeit ihre Grenzen, sie gibt ihr aber auch Sinn und Heiterkeit.»). Materielle Anspruchslosigkeit und Solidarität mit den Armen gehörten zu seinen «Markenzeichen». Zuneigung und Grosszügigkeit Bettlern und Armen gegenüber, die täglich zu seinem Bischofshaus kamen, waren stadtbekannt. In seiner «Famiglia» von Bologna wurde alles geteilt, was der Kardinal besass: Haus, Tisch und Einkommen. Ihr gegenüber bekannte Lercaro einmal: «Nach 53 Jahren geistlichen Dienstes und 20 Jahren des Bischofsamtes habe ich kein Geld auf der Bank. Ich habe nur wenige Lire in der Tasche … und diese sind für euch bestimmt.» Er war fest davon überzeugt, dass die Armen, die zu ihm kamen «mit ihren Tränen und ihrem Elend den Segen Gottes ins Haus bringen». Für sein Begräbnis hielt Lercaro testamentarisch fest: «Meine Beerdigung soll einfach sein, ich wünsche nur die Osterkerze … Ich habe nichts, was mir gehört, ich habe alles mit meinen ‹Jungen› (der Famiglia) geteilt.»
(Giancarlo Collet)
 

6. April 2015 | 00:04
von Konzilsblogteam
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