Ich klage mich an, den «göttlichen Leichtsinn» der Fasnacht nicht gewürdigt zu haben
Uff, in seinem höchst lesenswerten Kommentar zu meinem gestrigen Blog hat mich unser lieber Kari auf ein fast unverzeihliches Versäumnis aufmerksam gemacht: Ich habe mich im Blog noch nicht mit der Fasnacht befasst. Und fast hätte ich es weiterhin versäumt, auf dieses für einen Luzerner wie mich wichtige Ereignis einzugehen. Mea maxima culpa.
So habe ich mich auf den Weg der Besserung gemacht. Weil ich predigtfrei habe, griff ich auf meine Archiv zurück und zitiere hier aus einer «alten», aber wohl nicht veralteten Fasnachtspredigt:
»Habe ich in der Kirche gelacht, geschwatzt, umhergeschaut?» Sie erinnern sich an diese Fragen des Beichtspiegels. Wenn ich jetzt eine Fasnachtspredigt hielte und Sie lachen würden, hätte ich Sie demnach zur Sünde verführt.
Eine junge Katechetinsagte mir, jede Predigt müsste drei Qualitäten haben. Zwei habe ich vergessen, doch nicht die dritte: Eine gute Predigt müsse wenigstens einmal Leute zum Lachen bringen. Und sie machte mir ein Kompliment: «In deinen Predigten gibt’s immer etwas zum Lachen.»
Wer den Film «Der Name der Rose» gesehen/Buch, weiss: In der Kirche gab es Strömungen, die das Lachen verteufelten: Der Mönch Jorge hat in der grossen Bibliothek Buch über das Lachen entdeckt. Er ermordet jeden, der das Buch findet. Denn: Lachen ist subversiv. Wer über Ordnung/Autoritäten lacht, nimmt sie nicht allzu ernst.
Zum Glück hat sich eine solche miesepetrige Haltung nicht durchgesetzt. Es wäre gegen das Evangelium. Dieses vergisst nicht zu erzählen, dass Jesus er an Feiern teilgenommen hat; an Hochzeiten, die tagelang und nächtelang dauerten. Und Jesus hat Wasser in Wein verwandelt; nicht umgekehrt!
Zum Glück gibt es in der Kirchengeschichte frohe, glückliche Persönlichkeiten:
vFranz von Assisi (aktuell wäre hinzuzufügen: Papst Franziskus)
vPhilipp Neri, Narr Gottes und sein Freund, Kapuziner- Bruder Felix von Cantalice: In den Strassen Roms haben sie Unfug getrieben; Philipp, damit nicht «Heiliger» würde.
vPapst Johannes XXIII: ……Giovanni, nimm dich nicht zu ernst.
Sie nahmen Ernst, was mein Kapuziner-Mitbruder Heinrich Suso Braun, einstens ein sehr berühmter Radioprediger, formuliert hat:
Dem Glaubenden ist von Gott «ein göttlich leichter Sinn, oder sagen wir es ruhig, ein göttlicher Leichtsinn» geschenkt.
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