Ich ...
… und der Kardinal(Man verzeihe mir den unbescheidenen Titel…)Vor ziemlich genau 38 Jahren, am November 1972, sahen wir uns zum ersten Mal. Ich war damals für zwei Monate in München in einem theol. Praktikum bei der damals noch progressiven Integrierten Gemeinde. In der Freizeit besuchte ich Vorlesungen an der Uni. Eines Tages hörte ich im Grossen Hörsaal hinter mir Schweizerdeutsch reden. Ich drehte mich um und kam mit den drei Schweizer Studenten ins Gespräch. Sie luden mich zum Abendessen ins Studentenheim ein. Erst etwa 25 Jahre später fand ich zufällig in meinem alten Adressverzeichnis die Adresse des Heimes und den Namen eines der Studenten: KURT KOCH.Als er Professor war, erlebte ich Kurt bei Vorträgen oder traf ihn im Zug, wenn er abends spät von einem Vortrag heimfuhr. Vor allem las ich mit Genuss seine Bücher und rezensierte sie mit Begeisterung. Ausser eines: Wenige Monate nach der «Wende» publizierte der Kanisius-Verlag sein Buch mit friedensethischen Überlegungen. Ich war gespannt, wie Kurt die neue Lage einschätzte. Und wurde masslos enttäuscht. Es handelte sich fast durchwegs um Aufsätze und Referate, die einige Zeit vor der Wende verfasst wurden. Also durch die neue Situation völlig überholt. Ich wollte das Buch auf der Fahrt ins Wallis und zurück lesen. Nach 20 Minuten legte ich es frustriert zur Seite. Meine Rezension fiel entsprechend aus. Dann war Kurt frustriert …. Der Anfang unseres «Zerwürfnisses»?Jedenfalls: Als Bischof schrieb er mir nur «Schandbriefe». In der Zusammenfassung einer Tagung hatte ich seinen Vortag sehr ausführlich vorgestellt. Ich dachte, es sei eine versöhnliche Geste. Als wieder ein dicker Brief kam, freute ich mich schon. Aber Kurt ging mit keinem Wort auf die Vortragszusammenfassung ein, fand aber im Bericht einen Abschnitt ,der ihn ärgerte – weil er ihn falsch verstanden hatte. Doch Klärungen meinerseits stiessen stets auf taube Ohren (»Das glaubst du ja selber nicht.»)Nun bleibt mir nur noch, zu hoffen und zu beten, dass er mit seinen Gesprächspartnern anders umgeht. PS. Die Kochs stammen ursprünglich aus der gleichen Ecke des Entlebuchs wie meine Grossmutter mütterlicherseits, ebenfalls eine Koch. Ich hatte noch nicht die Zeit um Familienforschung zu betreiben. Möglicherweise ist unser kirchenpolitischer Streit ein Familienstreit ……..
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