Horizonte des Religionsunterrichts
Die schnelle Abfolge von Generationen stellt die religiöse Bildung vor besondere Herausforderungen. Die Vielfalt, von der der Synodenbeschluss zum Religionsunterricht (s. Konzilsblog vom 21.6.2015 [http://www.kirchenblogs.ch/d/blogs/konzilsblog/m127036]) wertschätzend spricht, ist dabei nicht nur synchron, sondern auch diachron Aufgabe und Chance. So steht der Religionsunterricht im Grunde ständig vor «neuen Herausforderungen», wie es ein gleichnamiges Dokument der Deutschen Bischofskonferenz aus dem Jahre 2005 formuliert.
Umso bemerkenswerter ist, wie sehr das Konzil angesichts der ständigen neuen Herausforderungen Hilfestellung bietet.
Eingangs entwerfen die deutschen Bischöfe von der Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen Nostra Aetate her eine Vision von Bildung, die sich zu derjenigen, die in der Erklärung über die Christliche Erziehung Gravissimum educationis enthalten ist (s. dazu Konzilsblog vom 10.4.2015 [http://www.kirchenblogs.ch/d/blogs/konzilsblog/m126343] und 11.4.2015 [http://www.kirchenblogs.ch/d/blogs/konzilsblog/m126344]), höchst komplementär verhält.
So heisst es in «Der Religionsunterricht vor neuen Herausforderungen»: «Zum Konzept allgemeiner Bildung gehört das Nachdenken über die Ziele und Zwecke individuellen und gesellschaftlichen Handelns, über den Sinn des eigenen Lebens und über die Einheit der Wirklichkeit. Schon Kinder und Jugendliche stellen die grossen Fragen der Menschheit wie ‹Was ist der Mensch?›, ‹Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens?›, ‹Was ist gut und böse?›, ‹Woher kommt das Leid?›, ‹Was ist der Weg zum wahren Glück?›, ‹Was kommt nach dem Tod?› oder ‹Existiert Gott?›. [Hier erfolgt der Verweis auf Nostra Aetate 1]. In unserer pluralistischen Gesellschaft treffen sie auf unterschiedliche, religiöse und säkulare Antworten. Die letzten Fragen, die zum Menschsein gehören, und die religiöse Pluralität der Antworten bilden eine pädagogische Herausforderung, der sich auch die Schule stellen muss. Die Bedeutung religiöser Bildung wird deshalb in der gegenwärtigen Debatte zur Schulreform allgemein anerkannt. Denn Religion eröffnet einen eigenen Zugang zur Wirklichkeit, der durch keinen anderen Modus der Welterfahrung ersetzt werden kann. Der Ort religiöser Bildung in der Schule ist primär der Religionsunterricht.» Etwas weiter erfolgt ein nicht weniger grundlegender Verweis auf die fundamentalen Abschnitte 40-45 der Pastoralkonstitution Gaudium et spes. Diese sind einer in eine christologisch-eschatologische Gesamtschau eingebetteten Wechselwirkung zwischen Kirche und Welt gewidmet, Der Religionsunterricht, wie er in den meisten deutschen Bundesländern möglich ist, erscheint hier als Exemplifizierung des Kirche-Welt-Verhältnisses im Rahmen eines umfassenden Traditionsverständnisses: «Die Tradierung des christlichen Glaubens kann wirkungsvoll nur im Dialog mit der Kultur und in Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Herausforderungen erfolgen. Deshalb ist der Religionsunterricht in der Schule für die Kirche und für die Zukunft des christlichen Glaubens in unserer Gesellschaft von grosser Bedeutung. Als wichtiger Ort des Dialogs kann der Religionsunterricht ‹der stets drohenden gesellschaftlichen und intellektuellen Isolierung der Kirche entgegenwirken›.»
(mq; um einfaches Nach- und Weiterlesen zu ermöglichen, wurden die Zitate der Online-Version entnommen: http://www.uni-regensburg.de/theologie/religionspaedagogik-didaktik/medien/rp-leitdokumente/ru_vor_neuen_herausforderungen.pdf)
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