George Francis Xavier

Hätte Jesus die Konzern-Verantwortungs-Initiative unterstützt?

Abgesehen davon, dass er Gottes Sohn ist, die zweite Person in der Dreifaltigkeit, der Erlöser usw., war Jesus, so wie ich ihn aus den Evangelien kenne, nicht einfach ein Geistlicher und ein Liturge. Er griff in die gesellschaftlichen Themen ein. Er war nicht nur ein Kritiker von Religion, Gesellschaft, Macht, Politik und Staat. Er hatte eine Vision für die Menschheit und dazu, wie die Menschen auf dieser Erde miteinander zusammenleben sollen.

An diesem Sonntag denkt die Kirche an Christus als unseren König. Der historische Grund für die Einführung dieses Festes im Jahre 1925 durch Papst Pius XI. entsprach in hohem Masse den politischen Veränderungen in Europa, in denen diktatorische Tendenzen, welche die Autorität von Kirche und Religion in Frage stellten, deutlich zu spüren waren. Aber das Evangelium (Mt,31-46) an diesem Sonntag vermittelt ein anderes Bild von einem König. Eines, das für uns sehr geeignet ist, für Überlegungen eine Woche vor der KVI-Abstimmung.

Das Evangelium sagt uns, dass Christus, der Richter, uns sechs Fragen stellen wird. Die erste Gruppe von Fragen lautet: «Ich war hungrig, durstig, obdachlos. Habt ihr mir Essen, Trinken, Unterkunft gegeben?» Die zweite Gruppe von Fragen bezieht sich auf: «Ich war nackt, krank, im Gefängnis. Habt ihr mir Kleidung gegeben? Habt ihr mir geholfen, indem ihr mich in meiner Krankheit oder im Gefängnis besucht habt? Wenn die Antworten «ja» lauten, werden wir ewig belohnt werden, weil wir mit Gottes Gnade zusammengearbeitet und konkrete Nächstenliebe praktiziert haben.

Ich erlaube mir, hier nachzufragen:

  • Was wird mit denen geschehen, die Wasser zum Trinken nicht nur wegnehmen, sondern das Trinkwasser der Durstigen vor Ort vergiften?
  • Was wird mit denen geschehen, die Böden von Nahrungsmittelanbauten nicht nur durchlöchern, sondern so den Hungrigen die lokale Selbstversorgung wegnehmen?
  • Was wird mit denen geschehen, die die Kranken meiden, sondern durch ihr Handeln auch Mitmenschen krank machen?
  • Was wird mit denjenigen geschehen, die es nicht nur versäumen, die Gefangenen zu besuchen, sondern Frager, Journalisten, Aktivisten und Sozialarbeiter ins Gefängnis werfen lassen?
  • Was wird mit denjenigen geschehen, die nicht nur versagen, neu Unterkünfte zu bauen, sondern wegen wirtschaftlichem Nutzen ganze Dörfer verschieben lassen und Unterkünfte und Boden als Existenzgrundlagen zerstören?

Es ist zweifellos eine Tatsache, dass die Naturressourcen des Südens ausgebeutet werden und auf der anderen Seite die Geschäfte des globalen Nordens erblühen. Es ist eine Schande zu wissen, dass die multinationalen Konzerne im Ausland das tun, was ihnen in ihren eigenen Ländern niemals erlaubt werden würde. Wenn hier bei uns «nur eine Strasse» verbreiterte werden soll, so sind die rechtlichen Rekurs-Möglichkeiten sehr variantenreich – diese Rechtssicherheit besteht nicht überall.

KVI Werbung am Kirchenturm © GFX, 2020

Und warum ein plötzliches ‘Eye-Opening’ für die Kirche? In vielen anderen Themen hat die Kirche aus taktischen Gründen geschwiegen. Wir benötigten einen Papst aus einem anderen Kontinent, der uns sagt, dass sie dort ausgebeutet werden. Die Kirche hat aus den Fehlern gelernt. Langsam kehrt das ‘Jesus-Bewusstsein’ in die Wege der kirchlichen Verkündigung zurück. Es ist Zeit, die Menschen anders über die Kirche und die von Jesus vertretenen Ideen denken zu lassen.

Bildquellen

  • KVI Fahne an einem Klosterfenster in Wesemlin © GFX, 2020.: George Francis Xavier
KVI Fahne an einem Klosterfenster in Wesemlin © GFX, 2020.
22. November 2020 | 09:22
von George Francis Xavier
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