Haben wir für unsere Kirche Utopien?
«Wenn wir alle gemeinsam etwas Bestimmtes wollen, dann finden sich auch Mittel und Wege, es zu verwirklichen.» Dies sagte vor Jahren Michael Ende, der Werke wie «die unendliche Geschichte/Momo» geschrieben hat. Er ging in einem Seminar für Manager davon aus, dass im 20. Jahrhundert nur negative Utopien entstanden sind, von Huxley bis Orwell, nur Albträume. Weiter meinte er, es werde bloss mit Sachzwängen argumentiert. So werde jede positive Entwicklung gehemmt.
Ende bat die Manager, zu formulieren, welche Welt sie sich wünschen. Peinliches Schweigen. Nach einer halben Stunde musste der Versuch abgebrochen werden, weil die Leute Michael Ende beschimpften und aggressiv wurden.
Etwas weniger Drastisches erlebte ich in den 1970er-Jahren. Für das Kinderhilfswerk «Aktion im Dienste des Bruders» (heute «Kovive») wurde unter meiner Federführung ein Leitbild geschaffen. Wir laden unsere mitarbeitenden jungen Erwachsenen zu einem Wochenende ein und baten sie, phantasievoll die gewünschte Zukunft des Werkes darzustellen. Ich war erschüttert: Die jungen Leute waren unfähig, kreativ Optionen zu erarbeiten.
Szenenwechsel: Wie weit hat Papst Franziskus schon dazu beigetragen, dass in der Kirche wieder Utopien entwickelt werden; und zwar positive, die nicht nur die schwindende Anzahl von Priestern und praktizierenden Gläubigen vor Augen haben?
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