Walter Ludin

Griechenland

«Schrumpfkur für die Armen»Aufgrund meiner zahlreichen Aufenthalte auf Kreta (als Tourist und Touristenseelsorger) interessiert mich der Verlauf der Griechenlandkrise besonders. Ich denke da nicht nur an abstrakte Zahlen, sondern auch an das Schicksal von Freunden; zum Beispiel an unser Sakristanenpaar Agnes und Lukas. Einer ihrer Söhne hat in Athen ein Möbelgeschäft – das kaum mehr Kunden anzieht. Die Pension von Lukas wird immer kleiner. Dank der freien Wohnung und dem – wenn auch bescheidenen – Sakristanenlohn – hat Lukas trotzdem genügend Geld, um das Studium seiner Enkel zu finanzieren. Doch längst nicht alle Rentner haben ein solches Zusatzeinkommen.Unter dem Titel «Schrumpfkur für die Armen» heisst es im Publik-Forum: «In Griechenland müssen die kleinen Leute die faulen Kredite der Reichen zurückzahlen.» Die dünne Oberschicht habe auch dank günstigen Zinsen der Europäischen Zentralbank «ihr Vermögen mehren und Prestigeprojekte finanzieren» können. Und: «Steuern haben sie nur selten entrichtet.»Was ebenfalls skandalös ist: «Dank» den Anordnungen von «Merkozy» werden dieses Jahr die Sozialausgaben Griechenlands um 9 Prozent sinken; und die Rüstungsausgaben um 18,2 Prozent wachsen. Dies nicht zuletzt wegen den Geschäften, die Deutschland in Griechenland mit Rüstungsgütern macht.

22. April 2012 | 01:22
von Walter Ludin
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