Grichtings Kampf gegen «politisierende Kirche». Meint er auch den Papst?
Der Churer Generalvikar Grichting hat wieder einmal zugeschlagen; selbstverständlich nur verbal, aber umso kräftiger. Sein Opfer: die «politisierende Kirche». «Tatort» ist die Zeitschrift «Schweizer Monat». Einer der zwei User, die mich auf den Artikel aufmerksam machten, bezeichnet sie als «Postille eben jenes Neoliberalismus, den die Kirche von Quadragesimo anno bis heute stets verurteilt hat.» (In einem Blog habe ich ihren Chef zitiert, der sich vehement gegen den Mindestlohn aussprach, weil es ja die Möglichkeit gäbe, sich ans Sozialamt zu wenden. Im gleichen Heft wurde Gnade für Steuerhinterzieher gefordert: Es möge die «allgemein akzeptierte Erkenntnis reifen, dass der Kampf gegen Steuerhinterziehung keineswegs zur obersten Staatsraison gehört.»
Zurück zum Grichting-Artikel: Der GV spottet über Alt-Abt Martin, der sich «für die Beschränkung von Verkaufszeiten für Bratwürste engagierte». (In Wirklichkeit ging es um – traditionell gesprochen – Sonntagsentheiligung…..) Angegriffen wird auch die Bischofskonferenz und ihr Vorsitzender, dem »zeitgeistige» Stellungnahmen vorgeworfen werden.
Grichtings Fazit:
«Hierzulande und auch anderswo gibt es aber immer noch politisierende Don Camillos, die ihre Botschaften – in die Sprache Kanaans verpackt – unters Volk zu bringen versuchen. Sie sind nicht die Avantgarde der Kirche, wie sie uns gerne glauben machen, sondern ihr Schlusslicht.»
Wer nicht blind oder doof ist, weiss es: Kein anderer Kirchenmann äussert sich so profiliert zu politischen Themen wie Papst Franziskus. Hoffentlich nimmt er Grichtings Rundumschlag zur Kenntnis. Dann wird er sicher nicht den Fehler begehen, ihn zum Churer Bischof zu ernennen. Somit sind dürfen wir dankbar sein für Grichtings Artikel.
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