Hans Leu

Gott-Entzug's Ahnung (5)

5. Die Heilige Mutter Teresa.
Es scheint, dass auch die Kath. Kirche diese Botschaft vom Hinhoeren auf das Kreuz langsam akzeptiert. Im Namen der Kirche hat Papst Franziskus eine Frau heiliggesprochen,
die genau dieses Leben Jesu praktizierte: Gott hat sich ihr entzogen, sie hat sich IHM uebergeben, sie wurde heiliggesprochen.
1. Agnes war ein frommes albanisches Maedchen; als Teresa wollte sie «im Hause des
Vater-Gott» sein, wurde religioese Schwester – fand ihren eigenen Auftrag, hat wahrscheinlich ihre Beziehung zu Jesus und zu Gott intensiviert. Vielleicht hat sie ein Abkommen mit Gott geschlossen – und dann ihre Geluebde oeffentlich gemacht. Es ist anzunehmen, dass sie betete, Gott lobte, ihre Pflichten erfuellte und wie man sagt «ein religioeses Leben fuehrte», innere Gespraeche (intrapsychische Dialoge) pflegte…
Der religioese Eifer wird (hoffentlich) von Zweifeln und Sorgen begleitet – und von ihrer beharrlichen Konzentration auf «ihr Eigen»: den Dienst an den Armen. Irgendeinmal wird
die «Jesus- und Gotteserfahrung» von der fruehen Froh-Stimmung in Nuechternheit ausgelaufen sein. Es ist normal im religioesen Leben, dass die Hochstimmung in ein Auf und Ab und dann auch in «ein alltaegliches» uebergeht…  wie es in allen humanen Beziehungen auch geschieht…  wer lebenslang religioes pubertiert, wer eine Leben lang «Honymoon» ausgibt, der wirkt laecherlich; normal ist in einem gesunden Reifeprozess gekeltert zu werden. Ich nehme an, dass heute von den Religioesen (jene mit Geluebden) 25% in eine graue Gottverlassenheit emigrieren und von den getauften Laien – schaetze ich – sind es 75%. Auf ihrem Kreuz-Lebensweg wuerden sie nuechtern fragen (falls sie die religioese Sprache gelernt haben): Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Diese «Verlassenheit» wirkt ernuechternd, fuer einige schmerzhaft aber im Normalfall nicht katastrophal.
2.Die Heilige Mutter Teresa hat gezeigt, dass der naechste Schritt darin besteht im erkannten Auftrag durchzuhalten, weil in jedem Fall (so oder so) das Leben «in den Handen Gottes liegt»,  vielleicht auch deutlich uebergeben. Gottverlassensein, Leben- durchhalten, den erkannten Auftrag erfuellen – das sind Schritte im Reifeprozess.
Dieser Prozess ist ein grossartiges Phaenommen auch heutzutage (in seltenen Faellen TV-gewuerdigt): wie viele Menschen fast gottverlassen (in starken religioesen Zweifeln verstummt) ihre (oft von aussen) aufgebuerdete Lebenslast (Auftrag) erfuellend aushalten.
3. Darum ist es symptomatisch, dass die Kirche 2016 Teresa als heilig deklarierte… denn heutzutage  »gottverlassen – lebendig selbstbestimmt den Auftrag erfuellen – das Leben als Ganzes Gott ueberlassen (schon uebergeben)», das ist christliche Existenz. 

30. Oktober 2016 | 17:53
von Hans Leu
Lesezeit : ca. 1  Min.
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