Erich Schweizer

Google ist böse

Das Tor-Netzwerk hilft

Schützen Sie sich vor Überwachung und Verfolgung im Internet ohne auf Ihre gewohnten Webdienste zu verzichten! Das Tor-Netzwerk ist ganz einfach zu nutzen

Im Jahr 2000 habe ich meine Arbeit beim Katholischen Mediendienst begonnen. Es war die Zeit des Web 0.0. An der Generalversammlung durfte ich ein kurzes Referat halten. Keine Ahnung, was ich da sonst noch erzählt habe, aber etwas ist mir in Erinnerung geblieben.
Ich bin kein guter Prophet. Nicht einmal in der Fremde. Aber an dieser GV habe ich eine neue Suchmaschine vorgestellt und ihr eine grosse Zukunft vorausgesagt. Tatsächlich hat Google meine Prophezeiung erfüllt – mehr als das.
Inzwischen durchdringt Google all meine Lebensbereiche. Mindestens einen davon möchte ich gerne für mich behalten. Damit habe ich jetzt begonnen.

Migros ist böse

Die Migros kennt meine Einkaufsgewohnheiten – allerdings nur, wenn ich mich beim Bezahlen mit einer Cumulus-Karte identifiziere. Apple weiss, wo ich wann gewesen bin und was ich da gemacht und gesagt habe – immerhin nur, wenn ich ein mobiles Gerät mit dem Apfelsymbol verwende. Auch Google kennt mein Leben dank meinem Android-Handy. Damit finde ich mich ab.

Google kennt meine Zukunft

Kürzlich habe ich für unser künftiges internes Informationssystem über Google ein Raspberry Pi und Zubehörteile gesucht. Noch bevor ich den Kleinstcomputer bestellt habe, bin ich auf unzähligen Websites durch gezielte Werbung an meine Pläne erinnert worden. Google verfolgt meinen Computer (Tracking) und empfiehlt den Werbenden, mir die und ähnliche Produkte zu zeigen, für die ich mich interessiere. Natürlich weiss ich, dass Google das macht. Wie perfekt das inzwischen funktioniert, hat mich erschreckt. Google ist böse – nicht nur, weil die Firma Kampfroboter herstellt.

Das Tor-Netzwerk

Meine Zukunftspläne will ich nicht mit allen teilen. Muss ich deshalb auf Googles Dienste verzichten und in Zukunft eine alternative Suchmaschine verwenden (ixquick, blecko, DuckDuckGo und wie sie alle heissen)? Will ich die Schnelligkeit, Benutzerfreundlichkeit und unbestreitbare Qualität von Google missen? Gebe ich meine Pläne lieber einer andern Firma preis?
Es gibt eine Alternative. Das Tor-Netzwerk leitet meine Daten über drei anonyme Server, von denen jeder nur seinen Vorgänger und seinen Nachfolger kennt. Dieses «mafiose» System verhindert, dass Google und andere Dienste mich und meinen Computer identifizieren können. Und endlich entscheide ich wieder selber, wem ich meine Zukunftspläne anvertraue.
Die Seite http://www.torproject.org zeigt Ihnen, wie einfach es ist, das anonyme Netzwerk zu nutzen. Dafür müssen Sie kein(e) Digital Native sein. Auch digital Eingebürgerte schaffen das spielend.

18. Januar 2014 | 09:55
von Erich Schweizer
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