Stephan Sigg

Good News Preis 2013: Laudatio für Bistum St. Gallen

Giovanni hat nicht gevotet. Er war gar nicht in der Lage dafür. Doch zum Glück hat er sich zu Wort gemeldet und etwas gemacht, das heute vielleicht schon fast die mächtigste Online-Waffe ist: Er hat alle Freundinnen und Freunde mobilisiert – über 500! Nicht weil er mit der Facebook-Seite des Bistums St. Gallen oder den sechs anderen Nominierten für den Good News-Preis nichts anfangen konnte, hat Giovanni nicht gevotet – er hat nicht gevotet, weil es ihn in unserer «realen» Welt eigentlich gar nicht gibt: Stofftier Giovanni existiert nur in der digitalen Welt des Bistums St. Gallen. Immer wieder taucht es auf Fotos auf der Facebookseite auf. Aber vielleicht zeigt sich gerade an ihm, was ganz weit draussen im Osten der Schweiz die kath. Kirche begriffen hat: Social Media schlägt die Brücke zwischen virtuell und real, zwischen belanglos und wichtig, zwischen ernst und witzig.
Sabine Rüthemann und Gabi Ceric haben sich von Anfang ohne Angst und Scheuklappen in diesem neuen Raum bewegt – selbst wenn sie nicht zu den «Digital Natives» gehören, nicht in die «digitale Welt» hineingeboren oder in ihr aufgewachsen sind. Die beiden Preisträgerinnen beweisen Mut zum offenen Dialog, zum Experiment und Interesse an Neuem und sind damit Vorbilder für alle kirchlichen Mitarbeitenden. Sabine Rüthemann und Gabi Ceric sind selber persönlich, privat bei Facebook & Co. vertreten, nehmen Anteil an dem, was die Menschen beschäftigt, lassen sich immer wieder neu auf Dialoge ein und bauen hier neue Kontakte auf – Kontakte zu Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen, Katholikinnen und Katholiken aus ihrem Bistum. Und bestimmt sind auch Menschen darunter, die mit der kath. Kirche eigentlich gar nichts am Hut haben wollen, aber trotzdem neugierig sind, was diese bei Facebook veröffentlichen. Die beiden füllen ihre Facebookseite permanent mit Leben, mit News, Bildern, Hinweisen auf kirchliche Ereignisse im Bistum St. Gallen und in der Weltkirche, mit Einblicken in den Alltag eines Bischofs und mit spirituellen Impulsen. Dazu gehören auch beeindruckende Grossprojekte wie der Fastenkalender, mit dem die beiden während der ganzen Fastenzeit täglich auf visuell sehr ansprechende Weise Foto-Impulse publiziert haben. Dies geschieht immer alles andere als elitär oder verstaubt-theologisch, sondern engagiert, nahe bei den Menschen und mit der richtigen Prise Humor. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag für eine positive Wahrnehmung der kath. Kirche in den sozialen Netzwerken.
«Was bringt es?», «Nur 500?», «Hier passiert doch nur oberflächliches Geplänkel!», «Ein Stofftier als kirchliches Facebook-Maskottchen?» – auch Sabine Rüthemann und Gabi Ceric müssen sich immer wieder kritischen Fragen zu ihrer Facebook-Arbeit stellen. Und doch zeigt sich gerade heute wieder einmal deutlich, dass es müssig ist, über Belanglosigkeit und mangelnde Tiefe zu diskutieren, den beiden Preisträgerinnen ist es gelungen in den letzten Jahren eine lebendige Community aufzubauen. Und das ist auch der Grund, weshalb die beiden heute den Good News Preis erhalten: Kaum standen die 7 Nominierten fest, haben die beide ihre Community zum Voten aufgerufen – nicht penetrant, sondern originell und kreativ. Giovanni hat sie dabei eifrig unterstützt. Und dann hat sich gezeigt, dass eine Gruppe von «nur» 500 Facebook-Fans eben schnell mehr sein können: Viele haben den Aufruf in ihre persönlichen Communities weitergeteilt.
Wie könnten die Preisträger einer Auszeichnung für überzeugende Social Media-Arbeit treffender gefunden werden als durch ein Online-Voting? Sabine Rüthemann und Gabi Ceric haben das Rennen mit Abstand entschieden. Der beste Beweis, dass hier Social Media gemacht wird, die die Menschen erreicht. Der Good News-Preis 2013 soll für sie eine Auszeichnung für ihren Einsatz und gleichzeitig für sie – und auch für Giovanni – eine Motivationsspritze für ihren nächsten «Facebookposts» sein.
Weitere Informationen zur Verleihung Good News Preis 2013

28. Mai 2013 | 16:11
von Stephan Sigg
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