Gesucht. Propheten wie ...
Johannes der Täufer(Ich habe das Evangelium von der Predigt des Johannes vorgetragen; Mt. 3; hier, ausnahmsweise schon am Samstag, der Auszug aus meiner Sonntagspredigt.) Ich weiss nicht, was es heute bei Ihnen zum Mittagessen gibt. Sicher ein anderes Menü als damals bei Johannes dem Täufer, der sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährte. Wahrscheinlich wären Sie mit diesen Speisen nicht zufrieden.Heuschrecken und wilder Honig tönt nicht gerade lecker und fein. Doch da täuschen wir uns.-Als ein Schweizer Mitbruder in Afrika zum ersten Mal wilden Honig ass, dachte er, Johannes habe gar nicht asketisch geliebt.-Und ebenfalls in Afrika wurden mir Heuschrecken aufgetischt. Wenn ich seither vor Einladungen zum Essen gefragt werde, was ich wünsche, sage ich jeweils Heuschrecken ….
Werden wir etwas wesentlicher und fragen uns: Wer war Johannes der Täufer?Jesus selbst gibt uns die Antwort: Er war ein Prophet, und zwar der grösste der bis damals aufgetretenen. Aber da stellt sich die Frage: Was ist überhaupt ein Prophet?Bei diesem Wort denken wir zum Beispiel an Wetter-Propheten, die uns voraussagen, wie in nächster Zukunft das Wetter sein wird.Aber da liegen wir falsch. Zum Wesen des Propheten gehört nicht seine Fähigkeit, genau zu schildern, was sein wird. Vielmehr: Er schaut kritisch auf die Gegenwart und analysiert, welches die Folgen sind, wenn die Menschen so weitermachen wie bisher. Dazu ganz banale Beispiele aus dem Alltag:»«¢ Ein Mann kann zu seiner Frau sagen: «Wenn du weiterhin so viel Torte issest, wirst du übergewichtig.»«»¢ Oder noch etwas dramatischer: Eine Frau sagt zu ihrem Mann: «Wenn du dauernd arbeitest und keine Zeit für die Familie hast, werde ich dich verlassen.»
Mit andern Worten: Propheten sind Warner. Sie schlagen Änderungen vor, um das drohende Unheil abzuwenden. Ich meine nun: Jede Gesellschaft, auch die Kirche braucht prophetische Warner. Nehmen wir als Beispiel die Schweizer Asyl- und Fremdenpolitik mit ihrem Hauptziel, ausländische Menschen davon abzuhalten, zu uns zu kommen. Ein Freund von mir, der Berner Journalist Heinz Däpp, beschrieb in einer Kolumne, wie die Schweiz in einigen Jahrzehnten krampfhaft im Ausland Arbeiter rekrutieren will. Alle Länder und Regionen der Welt weigern sich, uns Leute zu schicken. Die Begründung: Damals, am Anfang des 21. Jahrhunderts, habt ihr uns nicht gewollt. Jetzt habt ihr gehabt. Und es zeichnet sich für die Schweiz eine Katastrophe ab.
(Buchhinweis für den Blog: Heinz Däpp (Text), Fernand Rausser (Bilder): Der alltägliche WahnSinn. Wegwarte Verlag 2012. ISBN: 978-3-9523235-7-1. 120 S., ca. Fr. 46.-; vgl. meine Rezension vom 2. Juni!)
(Predigt im Luzerner Elisabethenheim, So 9.45 Uhr)
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