Geschichtliche Realisierung der eschatologischen Hoffnung
Schon steht der Beginn des dritten Konzilssession vor der Tür. Wer noch etwas zu den zwei letzten Kapiteln von De Ecclesia beitragen will, muss die Eingabe bis zum 9. September 1964 schriftlich vorlegen. Darum schreibt Yves Congar am 13. August an Weihbischof Alfred Ancel von Lyon.
Es geht um das Kapitel über den eschatologischen Charakter der christlichen Berufung (LG, 7. Kapitel). Congar moniert, der Text sei zu sehr auf die personale und spirituelle Dimension reduziert; es fehle ihm die kosmische und geschichtliche Dimension.
Tatsächlich wird Bischof Ancel vorschlagen, im Text von LG 48 zu erläutern, was es bedeutet, dass wir «in allem» dem Herrn zu gefallen suchen, nämlich auch im Bereich aller menschlichen Tätigkeiten, seien sie individuell oder in der Familie oder gesellschaftlich, wirtschaftlich oder politisch. Dieser Vorschlag wird indes zurückgewiesen, weil man nicht in die Details eines Themas eintreten wolle, das in Gaudium et spes behandelt werde. Damit wird zugleich eine hermeneutische Regel deutlich, die vor einer isolierten Lektüre von Konzilstexten bewahrt: Wie hier der Text von LG 48 im Licht von Gaudium et spes zu lesen ist, so interpretieren sich auch andere Texte gegenseitig.
(emf)
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