Gemache Sache
Gestern abend das vierte und letzte Konzert der diesjährigen Migros-Kulturprozent-Classics in St.Gallen. Wieder war ein junges Schweizer Talent im Einsatz, gleich kurz wie schon das letzte Mal: Thierry Roggen am Kontrabass. Dass ich bei so wenig Auftritt nichts Seriöses schreiben kann/darf, sollte man/frau mir zugestehen.
Der Abend mit dem Orchestre National de Belgique kündigte sich abseits der klassischen Pfade an: die Uraufführung eines Auftragswerks von Rolf Urs Ringger, das erste Violinkonzert von Max Bruch und die Sinfonie in d-Moll von César Franck. Warum nicht, dachten wir, das könnte ja noch spannend werden.
Aber so richtig spannend wurde es nicht, der Funke zündete kaum im und mit dem Publikum, nicht mal die Zugaben überzeugten total. Das lag ganz sicher nicht an Daniel Hope, dem Solisten in Bruchs herrlich romantisch-kitschigem Konzert. Hope war in Form, gestaltete detailliert und setzte prächtige dramatische Akzente. Aber jenseits von Herrn Hope herrschte so eine Art Mischung von Trauermusik und Schlafwagen-Atmosphäre. Nicht unschuldig an dem war sicher die Programm-Zusammenstellung: Ringgers Werk war zwar nicht gräulich-atonal, aber schleppte sich in herber Melancholie dahin. Und César Francks Sinfonie hat nichts von der Brillanz seiner Orgelwerke, sondern schwankt zwischen Wagnerschem Pathos und französischem Dekor. Haupterantwortlich aber war Herr Walter Weller als Dirigent. Müde-resignierend und mit Hang zur Verschleppung ward da gewirkt. Ich dachte zum Schluss (da Dvoraks Furiant mässig furios blieb) dass in seinen Händen selbst «Pomp and circumstance» zur Gutenachtmusik für William und Kate würde.
Und wer dabei war und mir doch nicht glaubt: Hören Sie Sich unter youtube Lisa Xanthopoulou mit der Rheinischen Philharmonie Koblenz an.
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