Konzilsblogteam

Gefährliches Tabuthema Zölibat

Dom Helder Camara war durch seine vielen Kontakte einer der einflussreichsten Konzilsväter, ohne je eine Konzilsrede gehalten zu haben. Mitte Oktober 1965 war er jedoch für eine Rede eingeschrieben: Er wollte über den Zölibat sprechen. Ihm wurde von Kardinal Lercaro in liebenswürdiger Weise mitgeteilt, dass – gemäss Entscheidung durch Papst Paul VI. – dieses Thema nicht öffentlich in der Konzilsaula beraten würde.
Zu diesem Zeitpunkt hoffte Camara, dass es eine kluge Entscheidung sei, dieses Thema ähnlich wie die Frage der Geburtenregelung lieber in einer Versammlung der neu gegründeten Bischofssynode anzugehen (vgl. CaLe 2, 885). Eine andere Hoffnung war, dass Paul VI. die Entscheidung den Bischofskonferenzen überlassen würde (vgl. CaLe 2, 900 f., 926).
Der sonst eher sanft gestimmte Camara schreibt in einem seiner Briefe: «Ich habe Horror vor Tabu-Themen, die dann in gefährlicher Weise gären» (CaLe 2, 901; vgl. ähnlich Patriarch Maximos http://www.kirchenblogs.ch/d/blogs/konzilsblog/m128275). Es gebe wenige Bischöfe, die den Klerus wirklich anhören; «in der Regel wissen sie nichts, nichts (…) und sind sich nicht bewusst, welches Feuer in ihrem eigenen Haus brennt» (CaLe 2, 850).
(emf)

23. Oktober 2015 | 14:52
von Konzilsblogteam
Lesezeit : ca. 1  Min.
Teilen Sie diesen Artikel!