Markus Baumgartner

Für die Kombination von Wissenschaft und Glaube ausgezeichnet

Der Mediziner, Genetiker, Forscher und Bestsellerautor Francis Collins wurde mit dem renommierten Templeton-Preis 2020 ausgezeichnet. Er ist der dienstälteste Direktor des US National Institutes of Health (NIH) und leitete von 1993 bis 2003 das Human-Genom-Projekt bis zur erstmaligen Entdeckung des Erbgutes des Menschen. Francis Collins ist zudem ein gläubiger Christ.

Die «Washington Post» würdigte Francis Collins als einer der aktuellen grössten Wissenschaftler. Er wurde 2009 vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama zum Direktor der US National Institutes of Health (NIH) ernannt und von Präsident Donald Trump 2017 zum Bleiben gebeten. Damit ist er der am längsten amtierende NIH-Direktor. Das Institut verantwortet mit 18’000 Mitarbeitenden ein Budget von 42 Milliarden US-Dollar. «In seiner Rolle als Wissenschaftler, Regierungsvertreter und öffentlicher Intellektueller hat Francis Collins seine Plattform genutzt, um Gruppen mit unterschiedlichen Perspektiven anzusprechen. Er hat Wissenschaftler und religiöse Gläubige zu grösserer Neugier, Aufgeschlossenheit und Demut ermutigt», sagte Heather Templeton Dill, Präsidentin der John Templeton Foundation.

Glaube und Forschung motivieren

Die Stiftung vergibt den Preis seit 1972. Er ist mit 1,4 Millionen US-Dollar dotiert und damit  grösser als der Nobelpreis. Die Stiftung würdigt Francis Collins: «Er hat in seiner wissenschaftlichen Leitung, seiner öffentlichen Rede und seinem populären Schreiben, einschliesslich seines 2006 erschienenen Bestsellers ›The Language of God’ gezeigt, wie religiöser Glaube rigorose wissenschaftliche Forschung motivieren und inspirieren kann». Francis Collins ist bestrebt, Religionsgemeinschaften zu ermutigen, die neuesten Entdeckungen der Genetik und der biomedizinischen Wissenschaften als Einsichten anzunehmen, um ihren Glauben zu bereichern und zu erweitern. Er hat mit genetischen Durchbrüchen dazu beigetragen, eine neue Ära der Präzisionsmedizin einzuleiten, in der Forscher und Anbieter Behandlungsprogramme für einzelne Patienten individuell anpassen können.

Als Antwort auf die Ankündigung des Templeton-Preises sagte Collins auf

Twitter, dass «die Erkenntnis, dass die Prinzipien des Glaubens und der Wissenschaft einander ergänzen, für mich auf der Suche nach der Wahrheit ein grosser Trost war. Ich fühle mich geehrt, den Templeton-Preis 2020 zu erhalten und fühle mich geehrt, zu solchen Empfängern wie Mutter Teresa, Dalai Lama und Desmond Tutu zu gehören». Und erklärte weiter: «Als Christ habe ich seit 43 Jahren eine freudige Harmonie zwischen der wissenschaftlichen und der spirituellen Weltanschauung gefunden und bin nie auf einen unversöhnlichen Unterschied gestossen».

Reise vom Atheismus zum Glauben

Francis Collins, 70, wuchs auf einer Farm im Shenandoah Valley auf und rang In seiner Jugend mit Fragen der Religion, wobei er vom bequemen Agnostizismus zum unentschuldigten Atheismus wechselte. In seiner Facharztausbildung war er beeindruckt von der Glaubensstärke, zu der sich seine Patienten bekannten, von denen viele kurz vor dem Tod standen. Über die Schriften des legendären Gelehrten aus Oxford, C.S. Lewis, der selbst die Lehren des Glaubens durch die Linse der Logik geprüft hatte, fand Collins zum christlichen Glauben. 

Zu seinem Erstaunen erwies sich die Person von Jesus als der tiefgründigste Wahrheits-Erzähler, dem er je begegnet ist: «In Matthäus 22:36-37 wird Jesus von den Jüngern gebeten, das grösste Gebot im Gesetz zu nennen. Er antwortete: Liebe den Herrn, deinen Gott, von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Unser Verstand sollte daran beteiligt sein! Das bedeutet, dass Wissenschaft nicht nur eine anregende intellektuelle Übung ist, nicht nur eine erstaunliche Detektivgeschichte, sondern auch eine Form der Anbetung sein kann».

Quelle National Institutes of Health
29. Juni 2020 | 22:08
von Markus Baumgartner
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