Walter Ludin

Franz von Assisi ...

… alls Impulsgeber für die Kirchenreform
Bekanntlich ist der Orden der Kapuziner ein Zweig des Franziskus-Ordens. So freut es mich, dass Hans Küng unsern Ordensgründer in seinem Buch «Ist die Kirche noch zu retten?» unsern Ordensgründer als Impulsgeber für die Kirchenreform vorstellt:
Doch schon zur Zeit von Innozenz zeigte sich eine klare Alternative zum römischen System, in der historischen Begegnung des Papstes mit FRANZ VON ASSISI 1209, sechs Jahre vor dem Vierten Laterankonzil. Dieser »Poverello«, dieser kleine Arme, zeigte durch seine ganze Lebensweise dem päpstlichen Alleinherrscher, um was es im Christentum, in der Nachfolge Christi, eigentlich geht:- Armut: Innozenz III. steht für eine Kirche des Reichtums und Prunks, der Raffgier und Finanzskandale. Wäre aber nicht auch möglich eine Kirche der transparenten Finanzpolitik, der Großzügigkeit und Anspruchslosigkeit? Beispiel innerer Freiheit von Besitz und christlicher Großzügigkeit, die evangelisches Leben und apostolische Freiheit nicht unterdrückt, sondern fördert?- Demut: Innozenz III. steht für eine Kirche der Macht und der Herrschaft, der Bürokratie und der Diskriminierung, der Repression und der Inquisition. Wäre aber nicht auch denkbar eine Kirche der Bescheidenheit, der Menschenfreundlichkeit, des Dialogs, der Geschwisterlichkeit und Gastlichkeit auch für Nonkonformisten? Des unprätentiösen Dienstes ihrer Leiter und der sozialen Solidargemeinschaft, die neue religiöse Kräfte und Ideen nicht aus der Kirche ausschließt, sondern fruchtbar macht?- «Einfachheit: Innozenz III. steht für eine Kirche dogmatischer Überkomplexheit, moralistischer Kasuistik und juristischer Absicherung, der alles regelnden Kanonistik, der alles wissenden Scholastik und der Angst des »Lehramts« vor dem Neuen. Wäre aber nicht auch möglich eine Kirche der Frohbotschaft und der Freude? Einer mehr am Evangelium orientierten Theologie, die auf die Menschen hört, statt nur von oben herab zu indoktrinieren? Eine nicht nur lehrende »Amtskirche«, sondern eine immer wieder neu lernende Kirche des Volkes? – doch die Päpste lernten nichts von Franz von Assisi, und der Selbsterhöhung folgte die Erniedrigung.

17. April 2011 | 01:01
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 1  Min.
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