Flade-Erinnerungen VII
Es brachte Licht und Schatten in unser Leben: Die Ehre haben zu dürfen, diese würdige Schule zu besuchen. Reden wir besser nicht über die Einstellung in Sachen Sexualmoral, die hier natürlich Doktrin war. Noch bis anfangs der 60er wurden etwa die Schüler bespitzelt und sanktioniert, die es wagten, in eine gemischte Badeanstalt zu gehen. Reden wir auch nicht über das Obligatorium, die Christenlehre beim sehr alten und sehr schwarzen Herrn Pfarr-Rektor besuchen zu müssen, und die Kärtchen in Bullys Hand, die hier eingefädelt werden mussten.Reden wir von Besserem, etwa über die anständigen Fachlehrer, die uns den Schul-Rucksack so gut füllten, dass es dann an der Kantonsschule hiess: Ah, ein Flade-Schüler. Reden wir über den seltsamen Stolz, der darum viele von uns doch befällt, wenn wir als Erwachsene an den Gemäuern vorüber schreiten. Reden wir vom neuen Geist, der mit Bernhard Gemperli als Schul-Seelsorger Einzug halten durfte (nachdem noch sein Vorgänger, ein griesgrämig gestrenger Jesuit, Blätter aufhängen liess über einzelne Pop-Gruppen mit dem Titel «Diese Gruppen sollst du meiden» – da war ich schon junger Vikar, und «meine» Jugendlichen kopierten mir diese Blätter heimlich – corpus delicti immer noch in meinem Besitz).Feiern wir mit und lernen wir aus der Geschichte.
Die Rechte sämtlicher Texte sind beim Katholischen Medienzentrum. Jede Weiterverbreitung ist honorarpflichtig. Die Speicherung in elektronischen Datenbanken ist nicht erlaubt.


