Walter Ludin

Film über den Hl. Geist in unserem Leben

Der Heilige Geist ist der grosse Unbekannte in der Dreifaltigkeit. Unter Vater und Sohn kann man sich etwas vorstellen –auch wenn etwa die Vorstellung eines Gottvaters mit langem Bart nicht gerade zutreffend sind. Aber der Geist? Er entzieht sich weitgehend unseren Vorstellungen.
Und auch jener Theologe hatte wohl Recht, der meinte: Wenn man den Heiligen Geist darstellen müsste, wäre eine Foto nicht angemessen. Man müsste einen Film von ihm produzieren: zeigen, was der Geist tut; welche Werke er schafft. Versuchen wir es.
Fangen wir beim Offensichtlichsten an: Das Wort sagt es schon: Der Geist/der Spiritus, in-spiriert. Seine bekannteste Inspiration ist die Bibel. Die naiven Bilder stimmen zwar keineswegs, in denen der Geist hinter den Evangelisten sitzt und ihnen Worte einflüstert/auf schweizerdeutsch: «chöschelet». Aber vergessen wir die Verheissung Jesu nicht: «Der Geist, den ich euch senden werde, wird euch immer tiefer in die Wahrheit einführen.» (Er inspiriert auch Künstler ….)
Ein Zweites: Der Geist wirkt, wo Menschen sich für die Sorgen und Nöte ihrer Mitmenschen öffnen. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie Karl Rahner vor etwa 30 Jahren auf einem deutschen Katholikentag in den überfüllten Saal rief: «Jeder Mensch, der den Egoismus überwindet, dh. jeder Menschen, der etwas tut, das nicht ihm nützt, sondern den andern: ein solcher Mensch handelt aus der Kraft des Geistes.»
Wir können auch sagen: Was aus Liebe geschieht, geschieht in der Kraft des Geistes Gottes. Und diese Liebe führt dazu, dass ganz unterschiedliche Menschen einander verstehen können – so wie an Pfingsten Leute unterschiedlichster Sprachen die Worte der Apostel verstanden haben.
Eine Bekannte erzählte mir kürzlich, wie sie vor Jahrzehnten an ihrem Wohnort eine Vorschul-Erziehung für Kinder von Gastarbeitern aufgebaut hat. Sie hatte Kinder in der Gruppe, die 12 unterschiedliche Sprachen gesprochen haben. Sie selber kannte keine einzige dieser Sprachen. Trotzdem: Die Verständigung hat sehr gut geklappt. «Du hast halt die Kinder geliebt», sagte ich ihr.
 Der Geist inspiriert. Er hilft, kulturelle Werke zu schaffen.
Und: Der Geist hilft, einander zu lieben.
Bevor ich diese Predigt vorbereitete, kam mir ein Artikel in die Hände, der diese doppelte Wirksamkeit des Heiligen Geistes miteinander verbindet. Er stammt aus der neuesten Ausgabe der reformierten Kirchenzeitung (»reformiert.») und trägt den Titel: «Wenn der Heilige Geist die Reime diktiert.» Der Beitrag handelt von drei jungen Männern, die sich dem Rap verschrieben haben.
Einer der drei zitierten Rapper, Sohn schwarzer Eltern aus dem Kongo, pflegt innerhalb dieser Gattung den Freestyle: die Technik, zu einem laufenden Musikstück spontan Strophen zu dichten. Er gesteht: Wenn er derart in Gottesdiensten improvisiere, vertraue er darauf, dass der Heilige Geist wirksam wird».
So viel zu meiner ersten These. Nun zum Schluss noch etwas zur zweiten – dem «sozialen Wirken» des Geistes. Ein anderer Rapper gibt dem Reporter der reformierten Kirchenzeitung ein Beispiel seines Könnens.  Es heisst im Bericht: «Den Blick in die Ferne gerichtet, erbittet er vom ‹Heiligen Geist, der auch heute lebendig ist›, den Mut, sich gegen Ausländerfeindlichkeit zu wehren.
Über das Wirken des  Heiligen Geistes müsste man einen Film produzieren, habe ich eingangs behauptet. Nun die Frage an Sie: Wie würde ein solcher Film aussehen, wenn man damit über das Wirken des Geistes in Ihrem Leben berichten müsste?
Stans, 9.30 Kloster St. Klara, 10.40 Pflegeheim

19. Mai 2013 | 01:21
von Walter Ludin
Lesezeit : ca. 2  Min.
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