Vera Rüttimann

Feuer und Eis auf der Rigi

Es kommt nicht oft vor, dass es mir die Sprache verschlägt. Neulich aber, als ich mit dem Kursschiff unterwegs war von Luzern nach Weggis, da ist es mir wieder passiert: In der Zentralschweiz ist es an diesem Tag eisig kalt, die Temperaturen weit unter Null. Doch ich möchte unbedingt an der Reling stehen, wenn sich das Schiff durch den aufgepeitschten See pflügt. Und ja, was für ein Erlebnis! Wie auf einem flüssigen Gletscher gleitet es dahin. Unter einem sämtliche Nuancen in Blau: Türkis, hellblau, dunkelblau und dieses undefinierbare milchigblau, das allen Eisriesen zueigen ist. Gischt spritzt hoch. Ein Hauch von Alaska und «The Revenant». Also: Mantelkragen hoch, Kappe ins Gesicht, Kamera fixieren und sich den Wind ins Gesicht blasen lassen.

Mit dem Schiff bin ich unterwegs zur Rigi, auf der mitten im Schnee und zwischen Steinen ein Naturritual stattfindet. Das Thema: «Dem Licht entgegen gehen». Bevor abends das Feuer und Lampions zum Einsatz kommen, glimmt es tagsüber auf der Rigi selbst kräftig. Dies auf einem Berg, von dem manche sagen, das von ihm eine besondere Energie ausgehe. Unten im Tal ist es schon dunkel wie in einem Loch. Und oben: Diese Sonne!

Dann: Trommeln und tanzen beim Eindunkeln um ein offenes Feuer.  Gemeinsam das Licht im Dunkeln feiern. Das Alte zurücklassen und sich dem Neuen öffnen. Was immer kommen mag. Feuer und Eis gehen eine Einheit ein.

Beim Toben der Elemente an diesem Tag ist sie wieder da, die Ahnung von etwas Grösserem, das uns umgibt.

Bildquellen

  • Feuer auf der Rigi: Bildrechte beim Autor
Feuer auf der Rigi © Vera Rüttimann 2017
4. Dezember 2017 | 16:56
von Vera Rüttimann
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