George Francis Xavier

Ferien-Lektionen

Als ich Kind war, sagte mir meine Mutter: «Wenn du eine Kirche zum ersten Mal besuchst, kannst du Gott drei Bitten vorbringen und er wird sie dir erfüllen.» Sicher eine Volksglaube! Ob Gott sie erfüllt hat oder nicht: Ich habe es immer so gemacht.
Als Familie haben wir in Indien die Ferienzeit miteinander verbracht. Und immer haben wir in  dieser Zeit viele Kirchen besucht. Es war etwas Ähnliches wie eine Pilgerzeit.
Schritt für Schritt hatte ich mir angewöhnt, dass die Ferienzeit eine Zeit ist, in der wir manche Kirchen besuchen und Batterie für das Leben auffüllen. Gott war die einzige Kraft, die ich in meinem Leben brauchte. All dieses habe ich von meiner Familie gelernt.
Automatisch besuche ich verschiedene Kirche, auch wenn ich jetzt in den Ferien gehe. Aber vor kurzem habe ich gemerkt, dass ich nicht in jeder Kirche drei Bitten an Gott formuliere. Oder ich bete nicht in allen Kirchen.
Letzte Nacht dachte ich darüber nach: Bei meinem Besuch der Kapelle des ehemaligen Benediktinerklosters Lorch in Baden-Württemberg – jetzt eine evangelische Kirche – betete ich nicht.
Nicht nur jetzt, es passiert mir so etwas häufig. Warum? Ich habe keinen Grund. Es ist absolut beschämend. Wann habe ich gelernt, so engstirnig zu sein? Ein Blick zum gekreuzigten Jesus war früher genug, um  mich zum Beten zu bringen.
In Indien habe ich nie gelernt, Kirchen auf der Grundlage der Konfessionen differenziert zu sehen. Bin ich in Europa «katholischer» geworden?

10. August 2013 | 20:46
von George Francis Xavier
Lesezeit : ca. 1  Min.
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