Br. Paul Tobler

Feiertage

Ja, nun ist sie also wieder erwacht, unsere Orgel, und hat unsere Weihnachtstage bereichert. Zur Ehre Gottes: «Damit in allem Gott verherrlicht werde» (Benediktsregel 57,9). Die acht intensiven Weihnachtstage der Weihnachtsoktav sind nun vorbei, der Alltag hat wieder begonnen. Kirchlich-liturgisch wird deswegen aber immer noch nicht völlig auf «Normalstatus» geschaltet, sondern die Weihnachtszeit dauert in ruhigerem Stil noch weiter bis am nächsten Sonntag, dem Fest «Taufe des Herrn».
Feiertage werden bei uns gebührend gefeiert. Man spürt den Festcharakter des Tages in unterschiedlichen Bereichen. Einerseits natürlich in den Gebetszeiten und in der Heiligen Messe: In den Gebetszeiten besteht die Psalmenauswahl aus festlichen, freudigen Psalmen, nicht etwa aus Klagepsalmen. In der Heiligen Messe zeigt sich das Fest durch die Art und Weise der Gesänge, die Musik, schöne liturgische Gewändern, den Einsatz von Weihrauch, die grössere Anzahl Ministranten, den zusätzliche Gesang des lateinischen «Gloria», den festlichen Teppich, etc.
Bei den Mahlzeiten halten wir an Feiertagen nicht das übliche Schweigen und Zuhören auf die vorgetragene Tischlesung, sondern können uns mit den Tischnachbarn unterhalten. Es gibt etwas Gutes zu essen und zu trinken. Es gibt ein Dessert, welches oft aus Bruder Gerhards Backstube kommt, wo auch beliebte und bekannte Nusstorten gemacht werden. Nach dem Essen halten wir eine gemeinsame gemütliche Kaffeerunde. Dann gibt es auch freie Zeit, welche zum Beispiel für Spaziergänge, Sport, Lesen, Siesta, telefonieren oder Gebet benutzt wird.
Durch die verschiedenen Ausprägungen des Festcharakters wird der Feiertag sinnlich und umfassend spürbar und gewürdigt. Er spricht den ganzen Menschen an. An Weihnachten feierten wir ja auch gerade das unglaubliche Geheimnis, dass Gott in Jesus Christus ganz Mensch wurde, mit allem was dazu gehört.
Zwischen den Feiertagen gibt es noch Unterschiede in der Feierlichkeit, und Weihnachten gehört natürlich in die oberste Kategorie. Das bedeutet unter Anderem: Der Abt als Vorsteher des Gottesdienstes, viele Ministranten, feierlicher Einzug aller Mönche, Zopf und Honig zum Frühstück. Die Heilige Teresa von Avila meinte zum sinnlichen Wechsel von Fest-, alltäglichen und Fastenzeiten: «Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn.»

8. Januar 2014 | 10:03
von Br. Paul Tobler
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