Br. Paul Tobler

Fastenzeit und Jubeljahr

Wir sind in die Fastenzeit eingetaucht. Ähnlich wie im Advent verzichten die Gebetszeiten wieder alle auf die Orgel, gibt es bei Tisch durchgehend Tischlesung ohne Ausnahme des Sonntags, sind verschiedene Mahlzeiten einfacher und ausserdem überlegt sich jeder Einzelne selber, was er sich an Bemühungen vornehmen will. Seien es Verzichte beim Essen und Trinken, zusätzliche Gebete oder spezielle Werke der Nächstenliebe. Es geht nach den Worten des Heiligen Benedikt darum, «in diesen heiligen Tagen die Nachlässigkeiten anderer Zeiten zu tilgen» (Benediktsregel 49,3).
Unsere Gemeinschaft startet diese Tage aber auch in ein «Jubeljahr»: 1400 Jahre «Ursprung» werden gefeiert. Aufs Jahr genau lässt es sich nicht festhalten, die Jahreszahl 614 ist legendär, die Grössenordnung stimmt aber. Eine ehrwürdige Zeitdauer. Hunderte von Mönchen haben in diesen Jahrhunderten das Kloster belebt, «unter Regel und Abt»: Alleine 66 Äbte waren es, die das Kloster mit Gottes Hilfe durch eine bewegte Zeit lotsten. Es erfüllt mich mit Respekt und Staunen. Die nächste «NZZ am Sonntag» wird in einer Sonderbeilage über unser Jubiläum berichten.
Das Klosterjubiläum wird als Chance angesehen für den Blick in Gegenwart und Zukunft, unter dem Motto «stabilitas in progressu», Beständigkeit im Voranschreiten. Kloster und Marienwallfahrtsort werden für Pilger und interessierte Besucher einladender gemacht mit baulichen Massnahmen, einem Pilgercafé und weiteren Bemühungen rund um die menschliche und geistliche Betreuung. Die Spendensammlung zur Renovierung unserer schönen Barockkirche wird starten. Und es gibt tolle Programmpunkte in Gemeinschaft mit Einheimischen, Abgängern des Klostergymnasiums, Gläubigen und Interessierten aller Art (vgl. Jubiläumsprogramm). An «St. Plazi» (6. Juli) dürfen wir Kardinal Kurt Koch begrüssen, im Oktober (25./26.) Abtprimas Notker Wolf.
Nach den Worten Jesu im Evangelium und den Texten vieler Heiliger sind wir Christen ja hoffnungsvoll in die Zukunft ausgerichtet: «Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist. Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns in Christus Jesus schenkt» (Philipperbrief 3,13-14). Ich freue mich, beizutragen zu versuchen dass Glaube, Gebet und die klösterliche Gottsuche an diesem Ort lebendig, anziehend und für Kirche und Menschen fruchtbar bleiben. «Die Kirche lebt und sie ist jung» (Papst Benedikt).

20. März 2014 | 08:31
von Br. Paul Tobler
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