Fastenzeit: Gerechtigkeit für alle; Rückblick auf die Fasnacht: verkleidet als Kapuziner; Putz-Tüüfeli
Zum Anfang der Fasten(opfer)Zeit mein Edito zur Ite-Nummer, welche das Thema der Fasten-Kampagne der Hilfswerke behandelt: «Menschenwürde für alle». Und im Anschluss an diesen Text noch zwei kurzer Bemerkungen zur Luzerner Fasnacht.
Die nicht mehr ganz Jungen unter uns erinnern sich noch sehr gut: Jedes Dorf hatte einen Laden mit «Kolonialwaren». Es gab hier vieles aus den damaligen oder ehemaligen Kolonien zu kaufen: Lebensmittel wie Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze oder Tee. Die Bezeichnung solcher Läden hat sich geändert – falls es sie überhaupt noch gibt. Dennoch: Viele Waren zum alltäglichen Gebrauch kommen aus fernen Ländern, auch wenn uns dies kaum noch bewusst ist.
Der Begriff «Kolonien» gehört ebenfalls der Vergangenheit an. Der damit bezeichnete Sachverhalt aber besteht nach wie vor, wenn auch unter neuer Gestalt. Kritiker der herrschenden Weltordnung sprechen von «Neo-Kolonialismus». Dieser tritt beispielsweise in der Gestalt von multinationalen Firmen auf, auch «Multis» genannt.
Ich lernte diesen Begriff Anfang der 1970er-Jahre durch den brasilianischen Erzbischof Dom Hélder Câmara kennen. In seinen beiden grossen Zürcher Auftritten schilderte der Gast aus Brasilien das Elend, das verursacht wurde durch europäische und US-amerikanische Firmen, die im Süden der Welt auf Kosten der Armen Milliardengewinne machten.
In den vergangenen Jahrzehnten hat die Macht dieser «Multis» noch zugenommen. Unter dem Motto «Menschenwürde für alle» beschäftigen sich dieses Jahr Fastenopfer und Brot für alle mit ihrem Einfluss. Im Zentrum stehen Firmen, die mdit dem Abbau von Bodenschätzen wie Eisenerz und Gold ganze Landstriche verwüsten und zahllose Menschen ins Elend stürzen.
Eines ist gewiss: Nicht alle Schweizer und Schweizerinnen werden dieses Engagement verstehen. Dazu möchte ich nochmals auf Dom Hélder verweisen: «Wenn ich den Armen Brot gebe, gelte ich als Heiliger. Doch wenn ich frage, warum die Armen so arm sind, werde ich als Kommunist abgestempelt.»
Dabei ist eines sicher: So wichtig es ist, Arme zu unterstützen, ist es auf die Dauer doch effizienter, mitzuhelfen, die Zustände und Strukturen zu verändern, welches die Ursachen für das Elend sind.
Auch das noch/Bemerkungen zur Luzerner Fasnacht:
– Wie jedes Jahr auch diesmal: Zahlreiche «Gäuggel» (luzernerisch für fasnächtlich Gekleidete!) sind als Ordensleute verkleidet, darunter auffallend viele als Kapuziner oder Franziskaner. Wären alle echt, müssen wir alle geschlossenen Klöster wiedereröffnen.
– Sauberes Luzern: Die Fasnacht macht diesem Slogan alle Ehre. In die Töne der letzten Umzugsnummer mischt sich das Geräusch von etwa einem halben Dutzend Putzmaschinen, saisongerecht als «Putz-Tüüfeli» angeschrieben ….
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