«Exaltatio crucis. Es ist heiss»
Am 14. September 1964 lag über der Stadt Rom eine erdrückende Hitze. Die Beleuchtungsanlagen, die für die Fernsehübertragung der Ereignisse in St. Peter gebraucht wurden, verstärkten die Temperaturen für die Anwesenden noch. Das war sicher der Grund, weshalb Kardinal James McIntyre, ein erklärter Kritiker der Liturgiereform, während der Eröffnungszeremonie zur dritten Sitzungsperiode in Ohnmacht fiel und hinausgetragen werden musste. Auch Oskar Cullmann und verschiedene Ordensfrauen, die eine der wenigen Plätze auf den Tribünen ergattert hatten, konnten den denkwürdigen Tag wegen der Hitze nicht zu Ende mitfeiern. Und damit verpassten sie die erste Konzelebration des Papstes mit 24 Patres Conciliares aus 19 Ländern. Was ein Gegensatz zur Eröffnungszeremonie des Konzils im Jahr 1962, wo über 2000 Bischöfe und weitere Anwesende nur stumm dem Geschehen folgen konnten. Nun aber waren alle zum Mitsingen der einfach gehaltenen Gregorianischen Choräle angehalten. Das also bedeutet participatio actuosa, entfuhr es den Kommentatoren. Diese erste Konzelebration verdeutlichte, was das lateinische Wort concelebrare meint: nämlich schlicht «mitfeiern». Nicht nur 25 Bischöfen feierten diese Eucharistiefeier, sondern mit ihnen die ganze Kirche.
Paul VI. hatte mit seiner Entscheidung, die Eröffnungsmesse als Konzelebration zu feiern, ein unmissverständliches Zeichen für die Einheit des Geistes und des Willens der im Konzil versammelten Kirche gesetzt. Es sollte auch bei dieser Konzelebration nicht bleiben. Vier weitere Messen wurden zu Beginn der Generalversammlungen als Konzelebration gefeiert, was auf viele weitere Eucharistiefeiern während dieser Sitzungsperiode abfärbte. Zur Abschlussmesse war es schon selbstverständlich für das Konzil, diese in Konzelebration zu feiern.
Noch während der dritten Sitzungsperiode dachten die Delegierten der Bischofskonferenzen darüber nach, die Erlaubnis zur Konzelebration für ihre Länder einzuholen.
(Birgit Jeggle-Merz; vgl. A 4, 8f; Abt Basilius Niederberger: Als Konzilsvater in Rom. Auszüge aus dem Tagebuch des Mariasteiner Abtes 1962-1964 auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil. In: Mariastein. Themenheft 2012. 50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil, 43-65, 55f; dort auch das Zitat im Titel)
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