Walter Ludin

Evangelium ...

… statt StrukturreformSchon wieder war sie zu hören, die alte Platte: Erzbischof Robert Zollitsch, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hat dazu aufgerufen, die «Kraft des Evangeliums» wieder in den Mittelpunkt zu rücken. In Deutschland werde aber leider oft nur über die Strukturen der Kirche gestritten.
Schön und gut. Wer wollte widersprechen, dass mehr «evangelisiert» werden soll (was immer das auch heisst…)? Doch wenn immer mehr Kirchengebäude aufgegeben werden, weil Pfarreien zu unüberblickbaren «Einheiten» zusammengelegt werden; wenn es immer weniger Priester gibt, die den Glauben verkünden. Ja sicher, dann bleiben die engagierten Laien. Aber bekanntlich werden sie immer wieder durch «lehr»- und «hirten»amtliche Entscheide verärgert; gerade auch die Denkenden …. —–Zur eingangs erwähnten Meldung hat sich Friedrich Griess von der österreichischen Laien-Initiative gemeldet. Ich gebe ihm hier gerne das Wort: «Während die meisten totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts kläglich Schiffbruch erlitten haben, glaubt die Führung der katholischen Kirche, durch eine in ihrer Geschichte noch nie dagewesene Zentralisierung und Forderung nach absolutem Gehorsam die derzeit schwelende Krise überwinden zu können. Glaube kann nur durch Glaubwürdigkeit gefördert werden. Es nützt nichts, wenn man sich auf Jesus Christus und die Bibel beruft, aber einen großen Teil der von diesen gemachten Aussagen missachtet oder sogar in ihr Gegenteil verkehrt. Leider werden gerade jene gemaßregelt, die für die Welt das leuchtendste Beispiel ihres Glaubens geben: Caritas Internationalis, die amerikanischen Ordensfrauen, viele mutige Theologen und die kirchlichen Reformbewegungen. Ein gutes Management sollte seine Mitarbeiter motivieren und nicht ständig maßregeln.»

5. September 2012 | 01:28
von Walter Ludin
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