Konzilsblogteam

Evangelisierung im Dialog

Lumen Gentium und Gaudium et Spes sind nach den Worten Bischof Paul Wehrles, der lange Jahre Weihbischof in Freiburg i.Br. war,«wie zwei Brennpunkte einer Ellipse und wollen wechselseitig gelesen und interpretiert werden. Dabei ist der methodische Ansatz der beiden Dokumente unterschiedlich: ‹Lumen Gentium› verfährt in weithin deduktiver theologischer Argumentation; ‹Gaudium et spes› verfährt nach dem schrittweisen Vorgehen im Sinne von ‹Sehen-Urteilen-Handeln›. Es wird zunächst eine Analyse der Wirklichkeit versucht (mit allen Vorbehalten), um dann durch eine theologische Reflexion zu Perspektiven für die pastorale Arbeit zu finden. Ausdruck für diese zentrale Intention ist die bekannte Formulierung, es gelte, die Zeichen der Zeit zu erkennen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. In dieser Methode (die seither vor allem von den Ortskirchen in Südamerika vielfach praktiziert wurde und wird) zeigt sich die eigentliche Intention des II. Vatikanischen Konzils, nämlich nicht einfach normativ festzustellen, sondern bereit zu sein zum Dialog und zur Begegnung, sich also herausfordern zu lassen und dabei die eigene Position argumentativ und so dann auch glaubwürdig einzubringen. In einem solchen Vorgehen ereignet sich Evangelisierung im eigentlichen Sinne des Wortes, wie sie in ‹Evangelii Nuntiandi› von Papst Paul VI. genau zehn Jahre nach dem Konzil (8.12.1975) als Aufgabe der Kirche auch formuliert wird: Evangelisierung als eine Lebenspraxis in Wort und Tat, in der die Kirche zu ihrer eigenen Identität findet, indem sie für die Menschen zum erfahrbaren ‹Zeichen› für das heilende Handeln Gottes wird.»
(mq; Zitat: Paul Wehrle, Kirche im Gespräch mit der Welt. Zur Umsetzung des II. Vatikanischen Konzils, in: Albert Käuflein, Tobias Licht [Hg.], Wo steht die Kirche? Orientierung am Zweiten Vatikanischen Konzil und an der Gemeinsamen Synode. Karlsruhe, Braun, 1998, 29-47, 31f.).

5. Juni 2015 | 00:09
von Konzilsblogteam
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