Markus Baumgartner

Europäischer Solarpreis für Schweizer Kirche

Eine Kirche produziert heute mehr als doppelt so viel Energie, als sie selber braucht. Eine umfangreiche energetische Sanierung reduzierte den ganzen Energiebedarf um mehr als einen Drittel. Die Kirche ist heute emissionsfrei. Für diese Bemühungen wurde die Römisch-Katholische Kirche St. Franziskus Ebmatingen ZH sowohl mit dem Schweizer als auch mit dem Europäischen Solarpreis 2019 ausgezeichnet. 

Die 1989 errichtete Römisch-katholische Kirche St. Franziskus in Maur-Ebmatingen musste dringend saniert werden: Eine alte Ölheizung, eine nicht zeitgemässe Isolierung sowie ein stellenweises undichtes Dach sorgten für einen unverhältnismässig hohen Energiebedarf . Im Winter 2018/19 wurde eine umfangreiche bauliche und energetische Sanierung vorgenommen: Dazu gehörte eine erheblich verbesserte Dachdämmung, eine solarbetriebene Erdsonden-Wärmepumpe, eine Solarwärmenutzung mit 161 Quadratmetern photovoltaisch-thermischen Modulen (PVT) sowie einer LED-Beleuchtung. Das neue dynamische Beleuchtungskonzept spart nicht nur Strom, sondern sorgt auch für behagliche Stimmung in Kirche und Zentrum. Dank dieser Massnahmen konnte der bisherige Gesamtenergiebedarf von 84’400 kWh/a um rund 35 Prozent auf 54’700 kWh/a reduziert werden. Die Sanierungskosten beliefen sich auf 1,2 Millionen Franken.

Vorbild für andere Kirchen

Die alte Ölheizung wurde herausgerissen. Damit konnten jährlich 7’000 Liter Heizöl eingespart und 21 Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr vermieden werden. Die vorbildlich ganzflächig integrierte 90 kW starke PV-Anlage in nord-südlicher Ausrichtung erzeugt jährlich 78’900 kWh/a CO2-freien Strom. Damit weist die Kirche eine Eigenenergieversorgung von 221 Prozent auf – oder mehr als doppelt so viel wie sie selber benötigt. Die ins Dach integrierte PV-Anlage produziert neben Strom zusätzlich 41’800 kWh/a Wärme, die im Sommer 300 Meter tief ins Erdreich geleitet wird. Im Winter wird ein Teil wieder zurückgewonnen. «Die Kirchensanierung erfüllt sowohl in energetischer wie auch in ökologischer Hinsicht eine Vorbildfunktion. Dafür erhält sie den PlusEnergieBau-Solarpreis 2019», erklärte die Jury des Schweizer Solarpreises im Oktober. Im November verlieh die Eurosolar der Kirche auch noch den Europäischen Solarpreis 2019, und zwar als «Vorbild für die Erschliessung des solaren Potenzials von Kirchen». 

Franziskus als doppeltes Vorbild

Für die nach Franziskus benannte Kirche waren sowohl die Leitgedanken von Papst Franziskus als auch von Franz von Assisi wegweisend: «Was Franz von Assisi sagte und was er tat, zeugte von der tiefen Einheit, die zwischen Gott und ihm und zwischen ihm und der Natur lebendig war. Auch unser gegenwärtiger Papst Franziskus betonte 2016 das Geschenk der Schöpfung – um sie für die nächsten Generationen zu bewahren», erklärte Baukommissionspräsident Louis Landolt. 

Zusammen mit dem damaligen Bundesrat und Energieminister Adolf Ogi wurde 1990 der erste Schweizer Solarpreis lanciert. Seither wurden über 3500 Dossiers von der Schweizer Solarpreisjury geprüft und 429 davon mit dem Schweizer Solarpreis ausgezeichnet. 

Herzlich, Markus Baumgartner

17. November 2019 | 20:08
von Markus Baumgartner
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