Hans Leu

«Es weihnachtet sehr...»

Die Swakopmunder Musikwoche (08. – 18.12.2016) ist fuer unser «Arts-Performance-Centre» in Tsumeb
(wie schon die letzten 10 Jahre) immer wieder eine «Welt-Begegnung». Unsere 30 teilnehmenden jungen  Musiker/innen erleben da im eigenen afrikanischen Namibia eine teils noch immer deutsche Stadt; sie ersetzen die drueckende Sand-Hitze mit der erfrischenden Meeres-Kuehle; sie erklettern eine der hoechsten Sand-Duenen der Welt und sie begegnen und werden integriert in ein internationales Orchester. Sie ueben und ueben … und die Gaeste erfreuen sich der oeffentlichen Konzerte und dazwischen erlauben sie sich «Strassen-Konzerte» anzubieten. Ein ermunterndes Erlebnis; und damit naht auch das grosse Fest:

«Es weihnachtet sehr…»
Fast alle, die ueberhaupt Arbeit haben, stoppen die Arbeit. Zuerst die Regierung (public service), dann die Schulen, die meisten Betriebe und Geschaefte…  wer nicht stoppen kann, schaltet auf «Notfall» um…  nur der
Tourismus und die Einkaufs-Industrie bluehen auf, animiert mit Kerzenlicht und guten Wuenschen. Die Namibier sitzen ins Auto (ins eigene oder in die Busse) und fahren los…  einige koennen es sich nun schon leisten «in die Ferien an den Strand zu fahren», die meisten aber geben Ausdruck ihrer tiefen «Heimat-Verbundenheit» und fahren Hunderte von Kilometer, verstopfen die Strassen… um in ihrem Geburtsort, oder wo sie aufgewachsen sind zu feiern (Die Eisenbahn spielt da keine Rolle). Sie feiern «WIEDERSEHEN» der
Family und so nostalgisch wie moeglich die Kindheits-Erinnerungen, wozu auch der weihnachtliche Kirchgang gehoert… das Jesuskind in der Krippe, vielleicht ein Kerzenbaum und gewiss die sonderbaren Geschichten, die das Fest so reichlich unverstaendlich verzieren.

«Es weihnachtet sehr…»
Die Hitze bruetet, die Duerrekatastrophe lastet schwer, die Arbeitslosigkeit verhindert, die Wieder- ansiedlungspolitik veraergert, die GBV toetet, die Schule lahmt, das Gesundheitswesen krankt, die Inflation steigt (nun bei 7%), die oekonomische Rezession breitet sich aus (mehr Arbeitslose), die Polizei schwaechelt, die Ausgabenstroeme fliessen in die Taschen einiger da oben, die Korruption regiert…   wo weihnachtet es da noch? Gluecklich, wer die Einkaufstaschen fuellen kann. Warum sie nun gerade jetzt gefuellt werden sollten, wer weiss das schon?  Einige wissen, dass irgendwo an einem dieser Tage in fernen Zeiten ein Jesus geboren wurde, der noch etwas mit den heutigen Kirchen zu tun hat. Weihnachten ist kirchlich fundiert und staatlich- oeffentlich begruesst. Aber wie dieser gefeierte geborene Jesus mit den Kirchen verbandelt ist oder was er mit den Einkaufstaschen zu tun hat – das ist unbekannt. Spielt auch keine Rolle.
Jeder moechte «Weihnachten» feiern. Es ist wie «freie Zeit»; tun in etwa was du moechtest; einige freuen sich an der Tradition; andere fahren einfach los… wir erleben das groesste innernamibianische temporaere Migrations-Ereignis.

Es weihnachtet sehr
23. Dezember 2016 | 15:46
von Hans Leu
Lesezeit : ca. 1  Min.
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