Es ist gut, dass es dich gibt
Am letzten Mittwoch sprach Papst Franziskus in seiner Generalaudienz über die Taufe. Er rief dazu auf, «in den geringsten und ärmsten Mitmenschen das Antlitz Christi sehen»: Dies ist eine grosse Herausforderung und übersteigt leicht unsere Kräfte:
Ich sehe dies, wenn ich am Luzerner Bahnhof einem Bettler begegne, der «einen Stutz» oder ein «Fränkli» möchte.
Wir sehen dies, wenn wir vielleicht täglich mühsamen Menschen begegnen in unserem Haus, in der Nachbarschaft oder bei der Arbeit; Leute, die immer das Gleiche erzählen und Blödsinn behaupten.
Wir spüren, dass es nicht leicht ist, im Demenzkranken das «Antlitz Christi zu sehen».
All das fällt uns schwer – falls wir nicht Heilige sind. Und dies sind wohl die wenigsten von uns.
Eine Hilfe kann das Wort eines gescheiten Menschen sein, der das biblische Gebot der Nächstenliebe neu formulierte: «Liebe deinen Nächsten. Denn er ist wie du.»
Und wir beide – mein Nächster und ich – sind von Gott geliebt. Auch für uns gilt die Zusage, die wir am Schluss des heutigen Evangeliums gehört haben: «Du bist mein geliebter Sohn/geliebte Tochter. Dich habe ich erwählt.»
Auch wenn die Kirche die Gottes-Sohnschaft Jesu in einem ganz bestimmten Sinn versteht, auch uns ist zugesagt, Söhne/Töchter Gottes zu sein.
auch wir sind von Gott auserwählt/angekommen, akzeptiert.
Erlauben Sie mir, nochmals einen Papst zu zitieren. Vor zwei Jahren hat Benedikt XVI. in einer Weihnachts- Botschaft gesagt:
«Es gibt die aus dem Glauben kommende Gewissheit: Ich bin gewollt. Ich bin angenommen, bin geliebt.»
Diese Botschaft ist für uns ein Geschenk. Sie ist aber nicht nur eine Zusage, sondern auch eine Aufgabe:
Der Ratzinger-Papst erinnerte daran, dass der Mensch sich selbst nur annehmen kann, wenn er von einem anderen angenommen ist. Er braucht jemanden, der ihm sagt: Es ist gut, dass du bist.
Frage: Wann haben wir zum letzten Mal einem Mitmenschen gesagt: «Es ist gut, dass es dich gibt.»
Wann haben wir jemandem gezeigt, dass er für uns wichtig ist?
Wir sollten solches nicht erst am Grab eines Menschen durch unser Weinen ausdrücken. Dann ist es zu spät.
Darum: Fangen wir schon heute damit an, einander unser Wertschätzung zu zeigen.
Stans, St. Klara 9.30 Uhr; Pflegeheim Nägeligasse 10.40 Uhr
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