Walter Ludin

«Es gibt noch Hoffnung für Israel/Palästina»

«Blinder Krieger in der Sackgasse». Unter diesem Titel brachte Publik-Forum ein Gespräch mit Moshe Zuckermann (65, israelischer Soziologe und Professor für Philosophie und Geschichte an der Uni Tel Aviv. Ein Auszug:
 
Sind die Probleme militärisch zu lösen?
Keines der vielen Probleme zwischen Palästinensern und Israelis ist mit Gewalt nachhaltig zu lösen. Das geht nur über friedensgerichteten Dialog, Austausch der Interessen und gemeinsames Lernen.
 
Ist die Hamas ein Feind, den Israels Armee vernichten will? Oder ein Gegner, den man dosiert bekämpft, weil man ihn künftig noch braucht, als möglichen Partner? Wer schwadroniert, er wolle die Hamas vernichten, weiss nicht, worüber er redet. Die meisten in der Regierung wollen die Hamas nicht vernichten. Denn sie spaltet zuverlässig die Palästinenser. Und ferner ist davon auszugehen, dass weit radikalere Kräfte an ihre Stelle träten, würde die Hamas vernichtet.
 
Sehen Sie im Judentum, im Islam und unter Palästinas Christen bedeutende Kräfte, die sowohl theologisch wie auch aus der Kraft des Glaubens für Frieden eintreten? Es gibt diese Kräfte, doch sie haben heute ähnlich wenig zu sagen wie die demokratische Linke. Es stellt sich die Grundfrage, ob diese friedensbewegten religiösen Kräfte überhaupt irgendetwas ausrichten können. Denn es herrscht und dröhnt ja deren dumpfes Gegenteil. Die Kräfte, die sich derzeit religiös profilieren und die Öffentlichkeit mit dominieren, sind im Judentum wie im Islam jene antiaufklärerischen Religiösen, die aufhetzen gegen Verständigung und Frieden. Religion wird instrumentalisiert, um den bestehenden Hass noch mehr zu forcieren.
 
Haben Sie noch Hoffnung?
Aufgrund meiner philosophischen und historischen Überzeugung: Alle gesellschaftlichen Verhältnisse wurden von Menschen gemacht. Und alle sind von den Menschen veränderbar.
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13. August 2014 | 01:07
von Walter Ludin
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