Walter Ludin

Es braucht Priester ...

… aberZum Abschluss des Priesterjahres wurde in Rom an einem Kongress vor Tausenden von Priestern noch und noch das Hohelied des «ganz speziell auserwählten», mit höchsten Würden (früher: «Hochwürden») ausgestatteten Priesters gesungen. Wie viel realistischer und bibelnäher sind doch die folgenden Worte Paul Hoffmanns:
" …Mit alldem stellt sich die Frage nach der Rolle des klerikalen Amtes in der Kirche. Dass Gruppen ab einer bestimmten Größe nicht ohne eine Kompetenz- und Funktionsverteilung auskommen, lehrt die Soziologie. Dies gilt auch für christliche Gemeinden mit ihren komplexen Lebensvollzügen. So ist es verständlich, dass schon früh in der Kirchenentwicklung bestimmte gemeindliche Funktionen an einzelne Personen gebunden wurden. Für ihre spezifische Aufgabe gestand man ihnen eigene Kompetenz und Autorität zu, die sie in praktischer Bewährung zu erweisen hatten: Propheten, Lehrer, Gemeindeleiter, Presbyter, Episkopen, Diakone usw. Die Zeugnisse belegen die Variabilität der Funktionen und Kompetenzen. Zugleich lehrt uns aber auch die Organisationssoziologie, dass hierarchische Einbahnstraßen eher kontraproduktiv wirken. Innovationen lassen sich nicht auf dem Verordnungsweg erreichen.Entscheidend für ein christliches Amtsverständnis scheint mir daher zu sein, dass die einzelnen Funktionsträger für sich nicht Ausschließlichkeit beanspruchen oder in einem Amt sämtliche für die Gemeinde entscheidenden Funktionen monopolisiert werden. Die Folge davon wäre, dass andere Charismen ins Abseits geraten, vor allem jene, die unter der Herausforderung der Situation neu entstehen. Auch das kirchliche Leitungsamt bleibt auf die pneumatischen Begabungen aller angewiesen; insofern ist es der Gemeindebasis eingebunden und darf sich – trotz aller notwendigen Kompetenz – nicht über die Gemeinde stellen. Mt 23,8-11: «Ihr alle seid Brüder – ihr sollt keinen Vater auf Erden nennen – einer ist euer Vater – einer euer Lehrer», verbietet ein autoritäres Verständnis des kirchlichen Amtes in Übereinstimmung mit Jesu Forderung des radikalen Herrschaftsverzichts. Von daher ist eine hierarchische Kirchenstruktur grundsätzlich in Frage gestellt.»

23. Juni 2010 | 01:02
von Walter Ludin
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