Walter Ludin

Erinnerung ans Konzil

«Anständige Protestanten»(Hier der Anfang meines Statements als Einführung in das gestrigen Podiumsgespräch in Schwyz über das Konzil.)
Mit Schrecken stelle ich fest, dass ich hier auf dem Podium der einzige bin, der die Konzilszeit miterlebt hat. So alt bin ich schon, so jung die andern …Wenn ich sagen würde, ich sei ein «Zeitgenosse», wäre dies ein starkes Wort. Denn als Papa Giovanni das Konzil ankündigte, war ich genau 13 Jahre, zwei Monate und zwei Tage alt…Meine erste Erinnerung betrifft ein Missverständnis. Als ein «ökumenisches» Konzil angekündigt wurde, dachten viele, es würde eine Sache aller Konfessionen sein. Doch da bekam die Menschheit Sprachunterricht: ökumenisch bedeute einfach «weltweit».Inzwischen wissen war: Auch wenn das Konzil nicht konfessionenübergreifend durchgeführt wurde, hat es das Verhältnis der Konfession grundlegend geändert. (Beim folgenden Satz muss meine verehrte Kollegin auf dem Podium, Pfarrerin Becker, nicht weghören.) Vor dem Konzil war es ein Zeichen grosszügiger Toleranz, wenn bei uns jemand sagte: «Es gibt auch anständige Protestanten.» Im Konzil aber wurden zum Beispiel die Kirchen der Reformation als solche anerkennt. (Dass die Anerkennung in unseren Tagen weitgehend zurück genommen wurde, ist eine andere Geschichte.

23. November 2012 | 01:09
von Walter Ludin
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