Konzilsblogteam

Enttäuschungen, Mythen und wirkliche Probleme

Dass er die Stimmung nach der dritten Sitzungsperiode keineswegs als berauschend wahrnahm, erklärt sich René Laurentin mit einer Mischung aus Enttäuschungen und Mythen, die für einen realistischen Blick wenig förderlich seien. Vier Gründe für die von ihm ausgemachte Enttäuschung macht er aus: das (für manche beängstigende) Wirken der Opposition, die (für manche nicht eindeutige) Rolle des Papstes, die (von manchen befürchtete) Machtlosigkeit der Konzilsversammlung und eine (von manchen behauptete) Unklarheit hinsichtlich des Ziels des II. Vaticanums. Seine ausführlichen und abwägenden Analysen zeigen jedoch, dass jenseits aller tatsächlich existierenden Probleme bei allen vier Punkten zwischen der Realität einerseits und ihrer Wahrnehmung andererseits zum Teil beträchtliche Unterschiede herrschen. Besonders hervorzuheben ist übrigens, wie sehr Laurentin direkt und indirekt auf die menschliche Seite des Konzils eingeht – jenseits theologischer und prozeduraler Fragen versucht er, den unterschiedlichsten Konzilsteilnehmern in ihrer persönlichen und institutionellen Situation gerecht zu werden.
Umso aufschlussreicher das Ergebnis seiner Analysen: «Dass das II. Vaticanum kein einfaches Unternehmen ist, kann (…) nicht überraschen. Dies gilt umso mehr zum gegenwärtigen Zeitpunkt, an dem die Phase der Entscheidungen, der Engagements, der Realisierungen in ein kritisches Stadium gelangt (…). In diesem Stadium sind die Schwierigkeiten ein Zeichen dafür, dass die wirklichen Probleme angegangen wurden.»
(mq; Zitat: René Laurentin: L’enjeu du Concile. Bilan de la 3e session. Paris: Seuil, 1965, 318).

28. November 2014 | 00:01
von Konzilsblogteam
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